Südlibanon: Konfliktherd seit vier Jahrzehnten

17. August 2006, 17:11
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"Operation Litani" 1978 - Seit israelischem Abzug 2000 unter Hisbollah-Kontrolle - Mit Infografik

Beirut - Der Südlibanon, aus dem Israel die schiitische Hisbollah vertreiben will, wurde zum Konfliktherd, als die libanesische Regierung in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre unter dem Druck der Arabischen Liga palästinensische Gruppen an der Grenze zu Israel operieren ließ. Von dort starteten Guerillaorganisationen immer wieder Angriffe auf Israel, die dann mit massiven Vergeltungsschlägen beantwortet wurden.

Der Schlagabtausch fand 1978 einen ersten Höhepunkt, als Israel in der "Operation Litani" in das Nachbarland einmarschierte. Zuvor hatte ein palästinensisches Terrorkommando bei Anschlägen auf Reisebusse 38 Israelis getötet. Der UNO-Sicherheitsrat beschloss die Aufstellung einer Interimstruppe im Südlibanon, UNIFIL (United Nations Interim Force in Lebanon).

1982 drangen israelische Truppen bis Beirut vor. Der damalige Verteidigungsminister Ariel Sharon rechtfertigte die Invasion mit der Notwendigkeit, "die PLO vollständig und für alle Zeiten zu vernichten". Im besetzten Südlibanon schuf Israel eine überwiegend aus Christen zusammengesetzte Söldnermiliz SLA ("Südlibanesische Armee") unter der Führung der libanesischen Ex-Offiziere Saad Haddad und Antoine Lahad.

Ein Separatfrieden, den Israel dem Libanon 1983 aufzuzwingen versuchte, scheiterte am Veto des libanesischen Parlaments. Ökonomisch hat Israel Interesse an den südlibanesischen Wasserressourcen. Wiederholt versuchte es, Verhandlungen über einen militärischen Abzug mit einer gemeinsamen Nutzung des Flusses Litani zu verknüpfen.

Militärisch war Israel daran interessiert, die besetzte "Sicherheitszone" - ein Zehntel des libanesischen Territoriums - aufrecht zu erhalten, um sich den Libanon als Durchmarschgebiet für eine mögliche militärische Auseinandersetzung mit Syrien offen zu halten. Durch die Bekaa-Ebene, in die der östliche Sektor der "Sicherheitszone" hineinreichte, ist unter Umgehung der stark befestigten Golan-Front ein Zugriff nicht nur auf die Verbindungsstraße Beirut-Damaskus, sondern auch auf Zentral-Syrien möglich.

Im Mai 1988 rückten in der "Operation Ruhe und Ordnung" etwa 2000 israelische Soldaten vor, um nördlich der besetzten Pufferzone nach Terroristen zu suchen. Dabei kamen mindestens 40 Kämpfer der 1982 gegründeten und vom Iran gesteuerten Hisbollah und drei israelische Soldaten ums Leben.

Nach kleineren Zwischenfällen begann Israel im Juli 1993 die "Operation Abrechnung" mit Luftangriffen auf Dörfer im Südlibanon, nachdem nordisraelische Ortschaften mit Katjuscha-Raketen beschossen worden waren. Der Beschuss löste eine Flüchtlingswelle aus und kostete mindestens 120 Libanesen und drei Israelis das Leben.

Nach Raketenangriffen der Hisbollah auf Nordisrael zerstörten israelische Kampfhubschrauber im April 1996 in der "Operation Früchte des Zorns", die mehr als 2000 Menschenleben forderte, das mutmaßliche Zentrum der Schiitenmiliz in Beirut. Ein Luftangriff auf das UNO-Flüchtlingslager Kana verursachte ein Blutbad. 500.000 Menschen mussten aus ihren Wohnorten im Südlibanon fliehen.

Ende Mai 2000 zog sich Israel unter Ministerpräsident Ehud Barak aus dem Südlibanon zurück. Die SLA löste sich auf, ihr Kern flüchtete nach Israel, die Hisbollah rückte in das geräumte Gebiet vor. Schon am 7. Oktober 2000 entführte die Hisbollah im Grenzgebiet drei israelische Soldaten. Durch deutsche Vermittlung kam es am 19. August 2003 zum Austausch der im Jahr 2000 entführten Israelis gegen ranghohe Hisbollah-Mitglieder. (APA/dpa)

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