Auf der Spur unerforschter Substanzen aus Penicillin-Pilzen

22. Juli 2006, 17:00
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Innsbruck: Eiweißsubstanz gegen andere Schimmelpilze

Innsbruck/Wien - Penicillin-produzierende Pilze erzeugen nicht nur das segensreiche Medikament gegen Bakterien, sondern auch noch eine Menge unerforschter und nicht weniger interessanter Substanzen. Am Institut für Molekularbiologie der Medizin-Uni Innsbruck untersucht Florentine Marx mit ihren Mitarbeitern etwa eine Eiweißsubstanz, die sich höchst wirksam gegen andere Schimmelpilze einsetzen lässt. Die Studien werden vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) unterstützt.

Penicillium antifungal protein (PAF), so der Name der Eiweißsubstanz, wird vom Schimmelpilz Penicillium chrysogenum produziert. Fest steht bisher, dass PAF unter anderem gegen gefährliche Krankheitserreger und gegen Nahrungs- und Futtermittelschädlinge aus dem Reich der Pilze wirkt. Dazu gehören etwa Botrytis cinerea oder die Aspergillus-Arten fumigatus, niger und nidulans. Unbeeindruckt gegenüber PAF geben sich dagegen Bakterien oder Hefen.

Ökologischer Vorteil

Warum Penicillium chrysogenum die Substanz überhaupt produziert, ist noch nicht restlos geklärt. "Es ist wahrscheinlich, dass der Pilz damit Konkurrenten ausschaltet und sich so einen ökologischen Vorteil verschafft", so Marx. Die Substanz wirkt dabei mehrfach gegen die potenziellen Feinde. In die Zelle eingedrungen, verursacht PAF nämlich eine Art Zellselbstmord. Daneben kommt es zu Veränderungen des elektrischen Potenzials an der Zellmembran und zu oxidativem Stress.

Was Penicillium chrysogenum dienlich ist, könnte in Zukunft auch Menschen mit Pilzinfektionen helfen oder Nahrungs- sowie Futtermittel konservieren. Pilzinfektionen sind in der Medizin bis heute ein schwieriges Thema. Pilzzellen sind menschlichen nämlich ähnlicher als etwa Bakterienzellen. Die medikamentöse Bekämpfung ist daher oft mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden. Ein besonderes Problem sind Pilzinfektionen für Menschen mit geschädigtem Immunsystem.

Mögliche Nebenwirkungen

Um die möglichen Nebenwirkungen von PAF geht es auch in den nächsten Untersuchungen der Innsbrucker Forscher. "An Gewebekulturen von Säugerzellen konnten wir keine Toxizität feststellen, das muss aber auch noch in vivo an Modellen überprüft werden", so die Wissenschafterin. Generell dienen die Forschungen nicht nur der Entwicklung von Medikamenten. Die Aufklärung der Wirkmechanismen sollen unter anderem auch grundlegende Erkenntnisse über Pilze und Pilzinfektionen bringen. (APA)

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