Vogelgrippe-Virus verändert sich bei Übertragung zwischen Menschen

23. Juli 2006, 14:00
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Untersuchungen einer infizierten indonesischen Großfamilie zeigen Mutationen des Virus

London/Wien - Nach der Erkrankung von acht Angehörigen einer indonesischen Familie an H5N1 im Mai dieses Jahres - sieben der Betroffenen starben - haben wissenschaftliche Studien gezeigt, dass die Vogelgrippe-Viren selbst schon bei Übertragung von einem Menschen auf den nächsten Mutationen im Erbgut aufweisen. Das könnte die Entstehung eines Pandemie-Virus voran treiben.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) musste jedenfalls nach dem Auftreten der Erkrankungs- und Todesfälle erstmals bestätigen, dass sich H5N1 bei dem Clan in Kubu Sembelang in Nordsumatra offenbar direkt von Mensch zu Mensch ausgebreitet hatte. Zunächst war eine 37-jährige Frau gestorben. Sie hatte sich offenbar über Geflügel angesteckt. Zwei Söhne von ihr sowie eine Schwester erlagen ebenfalls der Krankheit binnen Tagen. Der Neffe des ersten Opfers starb genau so wie dessen 32 Jahre alter Vater. Hier dürfte die Übertragung von der 37-Jährigen auf den Zehnjährigen und schließlich auf dessen Vater (Bruder der ersten Toten) erfolgt sein. Als letztes Oper starb dann eine Nichte der Frau, welche die Krankheit in die Familie gebracht hat. Nur ein 25 Jahre alter Bruder der 37-Jährigen überlebte die Krankheit, hieß es jetzt in einem Bericht der britischen Wissenschaftszeitschrift "Nature" (13. Juli).

Analyse

Mittlerweile wurde die Erbsubstanz der H5N1-Viren der Betroffenen sequenziert. Dabei zeigten sich laut der Zeitschrift von Person zu Person innerhalb der Infektionskette zunehmend Mutationen des Virus. So zeigte der Vergleich der Daten aus der Analyse des Erbguts der Viren, dass es zwischen erstem und zweiten Opfer bereits zu einer Mutation gekommen war. Bei dem Bruder der 37-Jährigen, der wahrscheinlich über seinen Sohn infiziert worden war, wurden Vogelgrippe-Viren mit bereits 21 Mutationen im Vergleich zu jenen der Frau aufgetaucht. In einem Fall hätte die Veränderung in der Erbsubstanz die Krankheitserreger gegen das ehemals in der Influenza-Therapie manchmal eingesetzte Medikament Amantadin resistent gemacht.

Zwar veränderte sich das Virus innerhalb der indonesischen Familie nicht besonders, doch die Ergebnisse zeigen klar, dass jede Übertragung von Influenza-Viren die Möglichkeit für Mutationen bietet. Jedenfalls drängen internationale Wissenschafter darauf, gerade auf diesem Gebiet die Forschung zu intensivieren. "Es war interessant, diese Mutationen aus der Mensch-zu-Mensch-Übertragung zu sehen. Aber ich glaube, niemand kennt derzeit H5N1 gut genug, um zu sagen, wie signifikant diese Veränderungen sind", wird in "Nature" ein Wissenschafter zitiert, der bei einem geschlossenen Meeting in Jakarta die Daten sah. (APA)

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Nature: Family tragedy spotlights flu mutations (Anmeldung erforderlich)
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