Unbekanntes Textfragment aus Sagenzyklus um König Artus entdeckt

28. Juli 2006, 17:35
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Veränderte Abschrift eines Textes aus der Zeit um 1220 erzählt die Geschichte vom Ritter Wigelis

Erfurt - Ein bisher unbekanntes Fragment eines Textes aus dem Sagenzyklus um König Artus hat ein Forscher in der Bibliothek des Augustinerklosters in Erfurt entdeckt. Die Handschrift stamme aus dem Jahr 1455 von dem unbekannten Thüringer Verfasser Dietrich von Hopfgarten, sagte Christoph Fasbender vom Institut für Germanistische Literaturwissenschaft der Universität Jena am Freitag. Der Fund sei die veränderte Abschrift eines Textes aus den Jahren um 1220 und für die Literaturgeschichte eine Sensation von internationaler Bedeutung.

"Es wird sehr schnell ein sehr großes Gedränge um den Text geben", sagte Fasbender. Der mittelalterliche Text erzählt von dem Ritter Wigelis, der an den Artushof zieht und dort seinen ersten Auftrag erhält: die Befreiung eines Landes aus der Herrschaft eines Unterdrückers. Den Stoff hatte nach Fasbenders Angaben der Franke Wirnt von Grafenberg um 1220 in einem Ritterroman erzählt. Hopfgarten habe den Text dann überarbeitet: Er machte aus dem Vers-Gedicht von Grafenbergs eine strophische Dichtung. "Es könnte das Manuskript eines Spielmanns gewesen sein, der daraus vorlas."

Fehlende Seiten

Das Fragment umfasst die letzten vier Seiten des Werks, nach Fasbenders Angaben fehlen rund 10 000 Verse. Über deren Verbleib ist nichts bekannt. Von Hopfgarten sei als Autor bisher nicht in Erscheinung getreten. "Wir haben einen neuen Autor entdeckt, der lexikonwürdig ist." Seine Sprache sei deutlich vom Thüringer Akzent geprägt.

Das Fragment befindet sich nach Angaben des Bibliotheksleiters Michael Ludscheidt in einem relativ guten Zustand. "Vielleicht war es gut, dass es so lang unerkannt geschlummert hat." Die Bibliothek des evangelischen Augustinerklosters wurde 1646 gegründet und hat einen Bestand von 60 000 Bänden aus den Jahren 1200 bis zur Gegenwart. Den neuen Fund zeigt eine Ausstellung vom 21. August bis zum 13. Oktober in der Universitätsbibliothek Erfurt.

Artus ist der sagenhafte König der keltischen Briten, der um 500 n. Chr. erfolgreich gegen die eindringenden Sachsen kämpfte. Um ihn schart sich eine Runde von heldenhaften Rittern - die Tafelrunde -, die in aller Welt Abenteuer bestehen. Dazu zählen die Sagen von Parzival, vom Gral und von Tristan. Sie verbreiteten sich in Prosa und Verserzählungen von den Kelten über die Romanen und Germanen bis zu den Slawen. (APA/dpa)

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