Honigbienen von Varroamilbe heimgesucht

28. Juli 2006, 18:06
6 Postings

Landesverband für Bienenzucht: Zahl der Bienenstöcke drastisch gesunken - damit ist auch die Pflanzenvielfalt bedroht

Wien - Eine asiatische Milbe wütet derzeit unter der heimischen Bienenpopulation. Die Varroamilbe saugt sich wie ein Blutegel an ihrem Opfer fest und tötet es. "Gelder für Erforschung eines Bekämpfungsmittels fehlen", berichtete der Präsident des Wiener Landesverbandes für Bienenzucht Klaus Fleischmann am Freitag der APA. Allein im Großraum Wien ist die Zahl der Bienenstöcke von noch 5.500 auf 3.000 gesunken.

Mit dem Schwinden der fleißigen Insekten ist auch die Pflanzenvielfalt bedroht. "Ein Kirschbaum trägt ohne Hilfe der Bienen nur 20 Prozent Kirschen, im Gegensatz zu 80 Prozent Ertrag wenn diese bei der Bestäubung helfen", nannte der Bienenzüchter ein Beispiel der Auswirkungen.

Aufgabe

Viele Imker geben sich im Kampf gegen den Schädling geschlagen. "Das Durchschnittsalter der meisten Bienenzüchter ist um die 65 Jahre, die meisten wollen sich das einfach nicht mehr antun, wenn durch Milben die ganze Zucht ausgerottet wurde. Außerdem betreiben die meisten die Imkerei als Hobby. Das ist viel Aufwand aber wenig Geld", so der Experte. Nachwuchsimker gäbe es kaum.

Die asiatische Milbe ist allerdings nicht die einzige Bedrohung für die Insekten. Auf einem steirischen Maisfeld wurde bei einer Bodenuntersuchung Rückstände des Pflanzenschutzgift Imidacloprid festgestellt. Die Chemikalie wirkt "wie ein Nervengift auf Bienen", hieß es in einer Aussendung der Umweltschutzorganisation Global 2000.

"Skandal"

"Es ist ein Skandal, dass Imidacloprid in Österreich immer noch eingesetzt wird - und noch dazu legal!", zeigte sich Pestizid-Expertin Lisa Kernegger empört. Die Organisation kritisierte, dass Landwirtschaftsminister Josef Pröll (V) sich weigere, die Anwendung des Giftes zu verbieten. In Frankreich sei der Einsatz von Imidacloprid seit 2004 untersagt.

Deutschland

Auch in anderen europäischen Ländern ist die Zahl der Bienen und der von ihnen bestäubten Pflanzen stark zurückgegangen. In Deutschland erbrachte eine Studie, die im Wissenschaftsmagazin "Science" veröffentlicht worden ist, dass die Bienenvielfalt an Hunderten überprüften Standorten um bis zu 80 Prozent gesunken sei.

Der wirtschaftliche Wert der Bestäubung weltweit liegt der Studie zufolge zwischen umgerechnet 29 und 73,5 Milliarden Euro pro Jahr. Noch sei es allerdings zu früh für Aussagen darüber, ob der Rückgang der Bienenpopulation eine Abnahme der Pflanzenvielfalt bewirke und umgekehrt, was zu einem Teufelskreis führen könne. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Heimische Bienen werden von der Varroamilbe aber auch durch den Einsatz eines Pflanzenschutzgifts bedroht.

Share if you care.