Hagelversicherung befürchtet Zunahme von Schäden

9. Oktober 2006, 18:06
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Landwirtschaft mit "Werkstatt unter freiem Himmel" verstärkt betroffen

Linz - Die Österreichische Hagelversicherung rechnet wegen des Klimawandels mit einer Zunahme der Schäden. Das erklärte deren Generaldirektor Kurt Weinberger in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem oberösterreichischen Agrar-Landesrat Josef Stockinger (V) am Freitag in Linz.

Der Landesrat verwies darauf, dass in den vergangenen 100 Jahren die Durchschnittstemperatur um 1,4 Grad Celsius gestiegen sei, für die kommenden 100 Jahre werde ein Anstieg um fünf Grad erwartet. Das werde zu längeren Trockenperioden, heftigeren Niederschlägen und vermehrten Stürmen führen, zeigte Weinberger auf. Am stärksten sei die Landwirtschaft mit ihrer "Werkstatt unter freiem Himmel" betroffen.

Hagelsaison

In der diesjährigen Hagelsaison sind laut Versicherung bisher österreichweit Schäden mit einer Gesamthöhe von elf Mio. Euro angefallen. Die Frostschäden machten zusätzliche zehn Mio. Euro aus. Die Steigerung gegenüber dem Vorjahr will die Hagelversicherung demnächst in einer Halbjahresbilanz veröffentlichen, aber allein in Oberösterreich habe es bisher doppelt so viele Schadensmeldungen wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres gegeben. Weinberger zitierte Zahlen der Münchner Rückversicherung wonach die Schäden durch Naturkatastrophen in den vergangenen 45 Jahren um das Dreifache, die Schadenshöhe um das Achtfache und die versicherten Schäden um das 26-fache gestiegen seien.

Die seit zehn Jahren stabilen Prämien der Hagelversicherung sollen dennoch nicht angehoben werden. Geplant sei vielmehr eine breitere Risikostreuung. So bietet die Versicherung nicht nur die Abdeckung von Schäden durch Hagel, sondern auch Frost, Dürre, Überschwemmung, Sturm, Auswuchs, tierische Schädlinge und Dauerregen bei der Ernte an. In Österreich steige zudem der Anteil der versicherten Flächen ständig, nun sei auch die Ausweitung der "Risikogemeinschaft" auf Tschechien geplant. Seit November des Vorjahres ist zusätzlich zu zwei weiteren Anbietern die Österreichische Hagelversicherung dort im Rahmen des freien Dienstleistungsverkehrs tätig und versichert derzeit rund 25.000 Hektar. Die Genehmigung für die Gründung eine Zweigniederlassung in Prag wird in den nächsten Tagen erwartet.

Stockinger stellte aus aktuellem Anlass fest, die derzeitige Hitzewelle schade dem Raps und dem Weizen nicht. Es sei mit guten Erträgen zu rechnen. Die Gerstenernte sei hingegen wegen der heuer langen Schneedecke schlecht ausgefallen. (APA)

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