Italien empört: "Es ist eine Schande"

21. Juli 2006, 22:58
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Das Weltmeister-Land reagiert entrüstet auf die Sperre für National­spieler Marco Materazzi - Warnungen vor Präzedenzfall

Rom - Die Sperre gegen Fußball-Weltmeister Marco Materazzi für zwei Pflichtspiele der Nationalmannschaft wegen der Beleidigung von Frankreichs Idol Zinedine Zidane im WM-Finale hat in Italien für wütende Reaktionen gesorgt. "Die Strafe, die gegen Materazzi verhängt worden ist, ist enorm, wenn man Zidanes Verhalten berücksichtigt", so Giacinto Facchetti, Präsident von Inter Mailand, dem Klub Materazzis. Der Präsident der italienischen Spielergewerkschaft, Sergio Campana, sprach von einem "skandalösen Urteil".

Sportministerin Giovanna Melandri meinte: "Da war eine diskriminierende Haltung gegenüber Italien im Spiel", fügte aber an, dass die Regierung das Urteil akzeptieren werde.

Die Sportwelt befürchtet wegen der Sperre für Materazzi einen Präzedenz-Fall mit unabsehbaren Folgen. "Nach dieser Norm ist Beleidigung strafbar", titelte Spaniens Sportzeitung "Marca". Ab jetzt könne jeder Spieler, der beleidigt werde - und das passiere an jedem Wochenende in jedem Land - die FIFA anrufen. "Die FIFA hat eine Ungerechtigkeit begangen, weil sie Materazzi wegen Ehrenverletzung für zwei Spiele gesperrt und den "Aggressor" Zidane nur ein wenig härter bestraft hat."

Der kommissarische Präsident des italienischen Fußballverbandes, Guido Rossi, betonte, dass man das FIFA-Urteil respektieren müsse. "Jeder hat jedoch gesehen, was auf dem Spielfeld geschehen ist", kommentierte Rossi. Materazzi selbst gab keinen Kommentar zur Strafe ab. Dafür äußerte sich sein Mannschaftskollege Ivan Ramiro Cordoba: "Es handelt sich um ein wahnsinniges und übertriebenes Urteil, das gravierende Folgen für die internationale Sportjustiz haben wird."

"Ich habe den Eindruck, die FIFA hat in einer gewissen Hinsicht Zidane retten wollen. Die Strafe für Materazzi ist absolut unfair", schimpfte die italienische Ikone Sandro Mazzola kurz nach dem Urteil des Weltverbandes. Auch der frühere Starspieler Gianni Rivera reagierte mit Unverständnis: "Das ist unbegreiflich. Ich finde, Materazzi ist zu streng bestraft worden."

Italiens ehemaliger Nationalmannschafts-Kapitän Paolo Maldini meinte: "Es ist eine Schande. Materazzi ist bestraft worden, nur weil er Italiener ist und sie einem großen Meister wie Zidane Rechnung tragen wollten."

"Das passiert jedes Wochenende"

"Nach dieser Norm ist Beleidigung strafbar", titelte Spaniens Sportzeitung "Marca". Ab jetzt könne jeder Spieler, der beleidigt werde - und das passiere an jedem Wochenende in jedem Land - die FIFA anrufen. "Die FIFA hat eine Ungerechtigkeit begangen, weil sie Materazzi wegen Ehrenverletzung für zwei Spiele gesperrt und den 'Aggressor' Zidane nur ein wenig härter bestraft hat."

Ähnlich sieht es der englische "Daily Telegraph". "Spieler, die schwer gegen die Regeln verstoßen wie Zidane im WM-Endspiel, könnten sich mit dem Argument verteidigen, sie seien provoziert worden. Das könnte zur Milderung ihrer eigenen Bestrafung führen und dazu beitragen, dass auch ihr Opfer bestraft wird."

Genugtuung kommt hingegen im Kommentar der französischen Sportzeitung "L'Equipe" zum Ausdruck. "Der Provokateur ist bestraft worden. Das ist eine Premiere, und darüber muss man sich freuen. Wenn das Anstiftern jeglicher Art zu denken gibt, umso besser." (APA)

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    Paparazzi knipst Materazzi.

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