Zypern ächzt unter Zustrom von Flüchtlingen aus dem Libanon

26. Juli 2006, 16:58
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Schiffe aus den USA, aus Italien, Großbritannien, Griechenland und Indien liefen die Mittelmeer-Insel an - EU-Partner um Hilfe gebeten

Limassol - Zypern ächzt unter dem Zustrom Tausender Kriegsflüchtlinge aus dem Libanon und hat seine Partner in der Europäischen Union um Hilfe gebeten. Die Inselrepublik mit weniger als einer Million Einwohnern sei der einzige EU-Staat, der ausgeflogene Bürger aus Drittstaaten in großem Umfang aufnehme, sagte Außenminister Georgios Lillikas am Freitag im staatlichen Rundfunk.

Das Land stoße an die Grenzen seiner Möglichkeiten. Seine Regierung stehe vor dem Dilemma, die humanitären Bemühungen mit den vorhandenen Mitteln fortzusetzen oder sie einzustellen. Zypern bereite sich darauf vor, in Kürze 20.000 Kanadier und 1.000 Inder aufzunehmen. Regierungsvertreter rechnen mit der Ankunft von täglich etwa 4.000 Menschen aus dem Libanon.

Chaotische Szenen

Etwa 2.000 US-Bürger trafen in der Nacht in den Häfen von Larnaka und Limassol ein. US-Vertreter äußerten die Erwartung, bis Freitag 6.000 US-Bürger vor den israelischen Luftangriffen in Sicherheit zu bringen. Auch Schiffe aus Italien, Großbritannien, Griechenland und Indien liefen die Mittelmeer-Insel an.

Viele der Ankömmlinge wirkten erleichtert, andere schilderten chaotische Szenen beim Einschiffen in Beirut. "Es war das nackte Chaos. Statt Frauen und Kinder zuerst gehen zu lassen, gab es ein wildes Gerenne", berichtete Rolla Weed aus dem US-Staat Kalifornien. Ein anderer Flüchtling bezeichnete die Israelis als Barbaren, weil sie Zivilisten angriffen. Israel will mit den Angriffen die Freilassung zweier Soldaten aus der Gewalt der schiitischen Hisbollah erreichen sowie die Entwaffnung der Miliz erzwingen, die vom Libanon aus immer wieder Raketen auf das Land abfeuert. (APA)

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