Container von AktivistInnen gestürmt: AsylantInnen befreit

16. Juni 2000, 18:49

Aktionskomitee: "Freiheit für alle Schubhäftlinge" - Sturm des Marriots

Wien - "FPÖ in Schubhaft" und "Freiheit für alle Schubhäftlinge" - Die Postulate des "Aktionskomitees gegen schwarz-blau". Bei der Kundgebung vor der Oper setzten die rund 200 KundgebungsteilnehmerInnen der Donnerstag-Demonstration einen "spektakulären symbolischen Akt": Die Befreiung der Insassen des Schlingensief-Containers. Kritik gab es an "Wolfgang Schüssel und seiner Affinität zur FPÖ".

Schlingensief hatte in der ZiB 3 am Dienstag erklärt, dass es wahrscheinlich nur in Österreich möglich ist, ein Plakat mit Aufruf zur Abschiebung solange aufhängen zu können; aber gerade das wäre der Indikator für die realitäre Situation in diesem Land. Die Regie ist ihm aus der Hand genommen worden: Statt "Ausländer raus" steht jetzt "Kampf dem Rassismus" groß zu lesen.
Die Schubhäftlinge sollen laut dem Sprecher des Komitees Kurt Wendt in eine neutrale Zone gebracht werden, in eine Kirche z. B.

Stürmung des Hotel Marriots

Danach drangen ca. 50 DemonstrantInnen ins Hotel Marriott ein, wo die 38. Volkswirtschaftliche Tagung der OeNB stattfand. Nach einer Rede von Finanzminister Karl-Heinz Grasser gab es gellende Pfiffe und die Rufe "Widerstand" sowie "Wir wollen Schüssel".

Von Polizei im Griff

Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) war ursprünglich um 21.15 Uhr mit der Rede zur wirtschaftspolitischen Situation erwartet worden. Sein Referat dürfte sich verzögern. Nach einer guten Viertelstunde zogen die DemonstrantInnenen wieder ab. Sie konnten von Polizeikräften aus dem Hotel gedrängt werden. Auf einem der Transparente der KundgebungsteilnehmerInnen hieß es: "Wir lehnen staatlichen Rassismus ab".

Reaktion von Grasser

Nach dieser Aktion wurde aber die OeNB-Tagung vorzeitig abgebrochen, sie wird jedoch am Freitag wie geplant fortgesetzt. Allerdings wurde eine für 21.15 Uhr angesagte Rede von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) zur wirtschaftspolitischen Situation abgesagt. Grasser erklärte, die Aktion der DemonstrantInnen sei ein "Schaden für alle und unser Land". Er bedauerte, dass das österreichische Image beschädigt wurde, indem die Grundsätze des Demonstrationsrechts missbraucht worden seien.
(bto)

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