Tirol: Eine Welle der Solidarität

21. Juli 2006, 17:13
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An knapp zwei Tagen haben mehr als 900 Frauen einen Aufruf zur Absicherung des "Autonomen Frauenhauses" in Tirol unterzeichnet

Innsbruck - Das in seiner Existenz bedrohte Autonome Tiroler Frauenhaus erfährt breite Solidarität. Ein Unabhängiges Personenkomitee hat einen Aufruf "gegen die beabsichtigte Schließung"verfasst, der an den ersten eineinhalb Tagen von gut 900 Frauen unterzeichnet wurde. Darunter befinden sich die Autorinnen Marlene Streeruwitz und Erica Fischer, die Wissenschafterinnen Elisabeth List, Ilse Lenz, Sabine Scheffler, Edith Saurer, die Mitgründerinnen Ulrike Lunacek und Gabriele Dallinger-König. Das Komitee, das seine Unabhängigkeit von Parteien betont, fordert eine finanzielle Absicherung bei Aufrechterhaltung der Eigenständigkeit. An den nächsten Tagen dürften Vorentscheidungen fallen.

Wie berichtet, ist die finanzielle Lage prekär: Seit 2003 ist die Sockelsubvention um 30 Prozent gekürzt, ab Oktober sei die Existenz "nicht mehr gesichert", heißt es im Frauenhaus: "Wohin sich von Gewalt betroffene Frauen wenden sollen", bleibe offen. Das Komitee kritisiert die von der Landesregierung, vor allem von der ÖVP, angedachte "öffentliche Trägerschaft"mehrerer Frauensozialeinrichtungen. Das Frauenhaus, das über "anerkannte fachliche Kompetenz"verfüge, "hat weder ein Organisations-, noch ein Strukturproblem", heißt es. Die "unabhängige Struktur abzuschaffen", würde "den einzigen echten Schutzraum für von Gewalt betroffene Frauen und Kinder in Tirol vernichten". Dies wäre "unverantwortlich".

Gegen eine öffentliche Trägerschaft, wie sie Frauenlandesrätin Elisabeth Zanon ins Spiel brachte, spricht sich nun erstmals auch der Koalitionspartner SPÖ aus. SP-Klubchef Ernst Pechlaner kann "darin keinen Nutzen erkennen". Offen ist aber, ob auch eine "gemeinsame Trägerschaft"der diversen Fraueneinrichtungen, die laut einem Landtagsantrag von ÖVP und SPÖ geprüft werden sollte, vom Tisch ist. Die diversen Fraueneinrichtungen, die mit unterschiedlicher Klientel arbeiten, halten dies alle nicht für sinnvoll. Pechlaner zurückhaltend: "Über eine bessere Koordinierung, die auch das Männerzentrum einbezieht, sollten wird reden." (Benedikt Sauer, DER STANDARD Printausgabe 22.7.2006)

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