"Hausgemachte Hitzewellen"

20. Juli 2006, 19:16
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Klimaveränderung durch Kohlendioxidausstoß: Dürrephasen und Hitzewellen nehmen zu - Wien war 1970 um 1,2 Grad kälter - mit Grafik

Acht der zehn wärmsten Jahre seit den Wetteraufzeichnungen liegen im Zeitraum zwischen 1996 und heute. "Das ist kein Zufall, sondern Teil des vom Menschen verursachten Klimawandels, in dem wir uns wegen des weltweit hohen Kohlendioxidausstoßes befinden", sagt Markus Niedermayr, Klimaspezialist vom World Wide Fund for Nature (WWF). Die häufigeren Hitzewellen seien also hausgemacht. In vielen europäischen Städten seien die Durchschnittstemperaturen seit dem Jahr 1970 um mehr als ein Grad gestiegen - in Wien war es vor 36 Jahren noch um exakt 1,2 Grad kälter.

Der WWF fordert die österreichische Regierung dazu auf, die vergangene Woche beschlossene Zuteilung von CO2-Budgets an die österreichischen Unternehmen zu überdenken. Statt deren Budget bis 2012 einzufrieren, seien Senkungen um 25 Prozent notwendig, wie sie die EU-Kommission verlangt. In Österreich sei momentan jede vierte Tonne CO2 zu viel, der Abstand zur Kioto-Verpflichtung betrage 30 Prozent.

Viele Klimatologen und Meteorologen stehen Prognosen zum Klimawandel skeptisch gegenüber. Aufzeichnungen von Temperaturen gingen zu wenig weit zurück, um daraus seriöse Schlüsse für die Zukunft zu ziehen.

Sicher ist, dass "unser" momentanes Subtropenhoch aus dem Mittelmeerraum stammt. "In Ausnahmefällen gelangt es über die Alpen und sorgt in ganz Europa für Griechenlandwetter", erklärt Reinhard Böhm von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). Während Gebiete nördlich der Alpen nur relativ selten in den Genuss stabiler, subtropischer Wetterlagen kommen, hat Südösterreich regelmäßig Mittelmeerklima. Durch den Aufbau von großen Datenbanken wie etwa im Rahmen des Projekts "Histalp" können die Experten der ZAMG auch langfristige Trends ausmachen. So gibt es in Kärnten und im Grazer Becken immer weniger sommerliche Niederschläge.

Gletscher schmelzen

Die Gletscher der europäischen Alpen haben seit 1850 die Hälfte ihrer Fläche verloren. Ein Anstieg der Sommertemperatur von ein bis fünf Grad und eine deutliche Niederschlagänderung für das Ende des 21. Jahrhunderts bilden nach Expertenschätzungen ein realistisches Szenario. Dies hätte enorme Auswirkungen auf Wasserkreislauf, Tourismus und für Naturgefahren. Auch der jüngste gigantische Felssturz im Eiger-Massiv in der Schweiz wird auf das Auftauen des Permafrostbodens zurückgeführt. (Michael Simoner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.7.2006)

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    Dürrephasen und Hitzewellen nehmen zu, Wissenschafter sehen dies als Folge des Klimawandels durch Treibhausgase.

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