Skoceks Zeitlupe: Ligageister

27. Juli 2006, 10:57
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Ein Blick hinter die Kulissen des heimischen Kicks - Hauptsache das Ergebnis stimmt

Noch scheppert es leise im deutschen Biergarten, da schenken sie schon in Wien ein. Die Austria hat gespart, der GAK ist zwar flach, kaufte aber ein, als hätte er eine Ölquelle. Die Admira fehlt, fast so unglaublich wie die Anwesenheit von Sturm Graz. Hannes Kartnig hat bald mehr Steuerfahnder im Büro als Fans im Stadion. Wenn jemand den Steuerprüfern einreden kann, sie bräuchten Tickets für die Prüfung, dann er.

Rapids Anhang ging das Jahr in Mattersburg ambitioniert an. Die lange Theke dort ist ein ausbaufähiges Konzept: Der Klub spart die Tralala-Unterhaltung in der Pause, steigert den Unterhaltungswert und den Eigenfinanzierungsgrad und unterstützt die Weinbauern. Durch das ständige Kommen und Gehen kann rund ein Drittel der Sitzplätze doppelt verkauft werden, leistungsfähige Häusln brauchen sie halt.

In Salzburg wäre eine Champagner-indoor-Meile denkbar, gestaltet vom einzig legitimen Festspielarchitekten, Wilhelm Holzbauer. Eine ideale Winterhöhle für die Kleinstadtschickeria, während draußen das Proletariat Zirkus hat. Die letzten Nüchternen der schönen neuen Ligawelt wären die Ex-Perten = Ex-Kicker. Von Ghostwritern befreit, kann Toni Polster drauflosgscheiteln. Aber selbst er kann ein fades Spiel nicht retten. Es sei denn, er nimmt wie in Salzburg, im Horr-Stadion und in St. Hanappi das Fanüberwachungssystem mit zehn Kameras zu Hilfe.

Beispiel einer positiven Rückkopplung: Spiel fad, Fan an der Theke tumultiert, Polster analysiert, feindlicher Fan applaudiert, Fan kauft Bier zum Gegnerkühlen, Wirt kassiert, Polizei kassiert Fans, Spiel läuft, wer gewinnt ist wurscht wie immer, Hauptsache das Ergebnis stimmt. (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 21. Juli 2006, Johann Skocek)

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