Ältester Wetterdienst der Welt: "ZAMG" feiert Geburtstag

22. Juli 2006, 20:00
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Am 23. Juli vor 155 Jahren bewilligte Kaiser Franz Josef I. die Errichtung

Wien - Der älteste Wetterdienst der Welt feiert Geburtstag: Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik - besser bekannt unter ihrem Kürzel "ZAMG" - auf der Hohen Warte in Wien-Döbling wird am kommenden Sonntag 155 Jahre alt. Am 23. Juli 1851 bewilligte Kaiser Franz Josef I. die Errichtung "... einer Centralanstalt für meteorologische und magnetische Beobachtungen".

Karl Kreil (1798 - 1862) wurde erster Direktor der Zentralanstalt und zugleich Professor für Physik an der Universität Wien. Er richtete ein meteorologisches Beobachtungssystem für das Gebiet der gesamten österreichischen Monarchie ein und führte für dieses auch die erste geomagnetische Landesaufnahme durch. Ab 1865 wurde an der Zentralanstalt eine tägliche Wetterkarte herausgegeben.

Übersiedlung

1872 übersiedelte die Zentralanstalt in das von Heinrich Ferstel erbaute Quartier auf der Hohen Warte, auch heute noch die Heimat der ZAMG. Ab 1877 erfolgte die Ausgabe des täglichen telegraphischen Wetterberichtes, mit aktueller Wetterkarte und Prognose für den folgenden Tag. Der Wetterbericht enthielt die Frühbeobachtung von 60 Stationen aus allen Teilen Europas.

Die Tradition der Zentralanstalt wurde nur einmal unterbrochen: Nach dem "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich wurden die Bereiche Klima- und Wetterdienst dem Deutschen Wetterdienst unterstellt und mussten nach Berlin übersiedeln. Die ZAMG in Wien wandelte man in ein Forschungsinstitut um. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt, und es kam zu einer beachtlichen personellen und räumlichen Expansion.

Forschungsbereiche

Mittlerweile hat sich die ZAMG zu einem Dienstleistungs- und Forschungsbetrieb entwickelt, mit Regionalstellen in Salzburg, Innsbruck, Klagenfurt und Graz. Die Aufgaben der Meteorologen gehen weit über die "Klassiker" Wetterprognose und Erdbebendienst hinaus. Die verschiedenen Abteilungen beschäftigen sich mit den unterschiedlichsten Aspekten der Bereiche Wetter, Klima, Umwelt und Geophysik.

Die ZAMG betreibt auch das Sonnblick-Observatorium. Dieses besitzt die längsten ununterbrochenen Klimazeitreihen von einem Dreitausender-Gipfel, fernab aller lokalen Einflüsse. Zahlreiche Mess- und Forschungsprogramme haben das Observatorium in den letzten Jahrzehnten zu einem der weltweit führenden Umweltforschungszentren gemacht. Neben Messungen von Chemie der Luft, Niederschlags- und Schneemengen werden auch Veränderungen von Gletschern, Tier- und Pflanzenwelt untersucht und überwacht. Der Sonnblick ist Teil des Strahlungsfrühwarnsystems und Meldestelle des Lawinenwarndienstes. (APA)

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ZAMG
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    Archivbild: Ein Wissenschafter an der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien betrachtet am Montag, 25. Juli 2005, die Ausschläge eines leichten Erdbebens im Raum Wr. Neustadt auf seinem Computerbildschirm.

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