Yukos-Chef gibt auf

25. Juli 2006, 16:24
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Das Schicksal des russischen Ölkonzerns ist besiegelt: Yukos wird zerschlagen, Steven Theede nimmt aus Protest seinen Hut

Moskau - Der Vorstandsvorsitzende des insolventen russischen Ölkonzerns Yukos, Steven Theede, hat in einem Brief an die Gläubiger des Unternehmens seinen Rücktritt zum 1. August erklärt. Das staatliche Insolvenzverfahren sei eine Farce, kritisierte der im Westen lebende US-Amerikaner in einer am Donnerstag auf einer Versammlung russischer Gläubiger in Moskau verbreiteten Erklärung.

Der einstige russische Branchenprimus Yukos, dessen ehemaliger Mehrheitseigentümer Michail Chodorkowski eine achtjährige Haftstrafe absitzt, hat nach Behördenangaben umgerechnet 14,8 Milliarden Euro Schulden bei einem offiziellen Unternehmenswert von noch 13,5 Milliarden Euro.

Yukos' größter Gläubiger ist die russische Steuerbehörde, die Forderungen in Höhe von rund 13 Milliarden Dollar (10,28 Mrd. Euro) an Yukos gestellt hat. Zweitgrößter Gläubiger ist der staatlich-kontrollierte Ölkonzern Rosneft, der jüngst mit seinem Börsendebüt 10,4 Milliarden Dollar erlöst hatte. Rosneft hatte sich nach einer erzwungenen Auktion im Jahr 2004 die Yukos-Ölproduktionsfirma Yugansk einverleibt.

Boykott

Der vom Staat gestellte Zwangsverwalter bei Yukos, Eduard Rebgun, hatte einem Rettungsplan eine Absage erteilt und für eine Auflösung des Unternehmens votiert. Die Gläubiger, die sich zu fast 100 Prozent aus der russischen Steuerbehörde sowie dem Ölkonzern Rosneft zusammensetzen, wollten am Donnerstag über die Zukunft von Yukos entscheiden. Er werde das Treffen boykottieren, sagte Theede. Es sei eine fingierte Veranstaltung mit dem Ziel, Yukos komplett zu ruinieren. Die Versammlung wurde schließlich auf nächste Woche vertagt.

Der Fall Yukos gilt in Expertenkreisen bis heute als politische Intrige des Kremls mit dem Ziel, den unbequemen Chodorkowski zu entmachten und dessen Ölreichtum an den Staatskonzern Rosneft zu übertragen, da Chodorkowski Ambitionen auf das Präsidentenamt hatte erkennen lassen. Chodorkowski ist wegen Betrugs und Steuerhinterziehung zu acht Jahren Gefängnis verurteilt worden. Der insolvente Konzern verhandelte zuletzt mit dem Gasförderer Gazprom (Gasprom) über den Verkauf eines 20-prozentigen Anteils am Ölförderer Gazpromneft, dem früheren Sibneft.

Hauptverhandlung im August

Im Frühjahr wurde das Insolvenzverfahren gegen Yukos eingeleitet. Die Vermögenswerte in Russland und in den USA wurden vorläufig beschlagnahmt. Die Hauptverhandlung im Insolvenzverfahren gegen Yukos ist für den 1. August in Moskau angekündigt. Yukos ist nach Förderzahlen vom Mai derzeit der siebtgrößte russische Ölkonzern. (APA/dpa/Reuters)

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    Steven Theede: "Ich kann daher nichts mehr tun, was dem Unternehmen in irgendeiner Weise nützt."

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