Somalias Regierungschef: Eritrea hilft Moslem-Milizen

28. Juli 2006, 16:43
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"Das Volk sollte nicht mit dem Gerede über einen Heiligen Krieg gegen die Ungläubigen verwirrt werden"

Mogadischu - Der Chef der somalischen Übergangsregierung, Ali Mohamed Gedi, hat Eritrea vorgeworfen, Kämpfer für einen islamischen Krieg in Somalia auszubilden und auszurüsten. Schon seit Jahren würden ausländische Kämpfer für den Jihad (Heiligen Krieg) aus Eritrea nach Somalia gebracht. Der Strom von Kämpfern und Waffen aus Eritrea halte bis heute an, sagte Gedi der Nachrichtenagentur Reuters in einem Telefoninterview am gestrigen Mittwochabend. Gedis Übergangsregierung sitzt in der Stadt Baidoa im Süden des Landes.

Der Staat Somalia existiert seit dem Sturz des Diktators Siad Barre 1991 faktisch nicht mehr. Das Land wurde seitdem von kriegerischen Clanchefs beherrscht. Im Norden schufen sie die Republik Somaliland. Die anderen Regionen Somalias waren ständig zwischen den Kriegsfürsten umkämpft. Ende der 90er Jahre bildeten sich islamische Gerichte, die mit eigenen Milizen das islamische Recht durchsetzen wollen. Sie eroberten inzwischen große Teile des Landes, darunter auch die frühere Hauptstadt Mogadischu.

Im Mai stellten die Vereinten Nationen fest, dass ein gegen Somalia verhängtes Waffenembargo verletzt wurde. Eritrea habe den Islamisten Waffen geliefert, Äthiopien habe die Kriegsfürsten unterstützt.

Diese erhielten auch Rückendeckung von den USA, die in den islamischen Gerichten eine den afghanischen Taliban ähnliche Bewegung sehen. Zudem steht einer ihrer Anführer, Scheich Hassan Aweys, im Verdacht, Kontakte zur Extremistenorganisation Al-Kaida zu unterhalten.

Die Moslem-Milizen versuchen, nach der Einnahme Mogadischus ihren Einfluss im Land schnell auszudehnen. In den von ihnen kontrollierten Gebieten führten sie die Sharia ein, das islamische Recht, und schufen eine eigene Verwaltung.

Aggression gegen Übergangsregierung

Ministerpräsident Gedi rief dazu, gegen die ausländischen Kämpfer in Somalia vorzugehen. "Das Volk sollte nicht mit dem Gerede über einen Heiligen Krieg gegen die Ungläubigen verwirrt werden", sagte er. Er warf den Moslem-Milizen zudem eine Aggression gegen die Übergangsregierung vor. Die Milizen waren bis auf 35 Kilometer an Baidoa herangerückt. "Wir betrachten das als Aggression gegen die von der Regierung kontrollierten Gebiete und das uns unterstützende Volk", sagt er. Die Milizen hätten damit eine im vergangenen Monat getroffene Vereinbarung gebrochen, nach der jegliche militärische Aktionen eingestellt werden sollten.

Äthiopiens Informationsminister Berhan Hailu erklärte dazu am Donnerstag, sein Land werde alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel einsetzen, um die moslemischen Milizen zu zerschlagen, wenn sie Baidoa angreifen sollten.

Am 22. Juli sollen zwischen Vertretern beider Seiten in der sudanesischen Hauptstadt Khartoum neue Verhandlungen stattfinden. Die in der vergangenen Woche geplanten Gespräche waren von der Regierung boykottiert worden, weil die Milizen den vereinbarten Waffenstillstand gebrochen hatten. (APA/Reuters)

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