Türkisch-armenischer Journalist Dink unter Druck

26. Juli 2006, 12:59
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"Ich werde nicht schweigen" - Wegen "Beleidigung des Türkentums" verurteilt

Auf einen Mann wie Hrant Dink sollte die Türkei eigentlich stolz sein. Der 52-jährige Istanbuler Journalist ist Chef der armenischen Wochenzeitung "Agos" und ein lebender Beweis für die kulturelle Vielfalt seines Landes. Aber die meisten Türken sind alles andere als stolz auf Dink. Denn er besteht darauf, Dinge beim Namen zu nennen, die viele seiner Mitbürger am liebsten unter den Teppich kehren würden: Er spricht öffentlich von einem Völkermord der Türken an den Armeniern im Ersten Weltkrieg.

"Beleidigung des Türkentums"

"Ich werde nicht schweigen", sagt Dink. Das bringt ihm viel Ärger mit Nationalisten und mit der Justiz ein. Seit Jahren sieht sich Dink immer wieder Gerichtsverfahren gegenüber. Erst in der vergangenen Woche bestätigte das Oberste Berufungsgericht der Türkei eine Verurteilung des Journalisten wegen "Beleidigung des Türkentums".

Neues Ermittlungsverfahren

Dink will das Urteil vor dem Europäischen Menschenrechtsgerichtshof in Straßburg anfechten, doch seine Gegner geben keine Ruhe. Wegen eines ebenfalls in der vergangenen Woche gegebenen Interviews, in dem er erneut vom Genozid sprach, leitete eine Staatsanwaltschaft in Istanbul auf Betreiben nationalistischer Anwälte ein neues Ermittlungsverfahren gegen Dink ein. Auch dabei geht es um den Vorwurf, der Journalist habe mit seinen Äußerungen das "Türkentum" beleidigt.

Solidarität mit Dink

Türkische Intellektuelle sehen in der Prozesswelle gegen Dink ein Alarmzeichen. Mehr als 400 Autoren, Akademiker und Menschenrechtler solidarisierten sich in einer Zeitungsanzeige mit dem Journalisten. Dink kann diese Unterstützung gut gebrauchen, auch wenn der groß gewachsene Mann mit dem grau melierten Haarschopf und den buschigen Augenbrauen ein Kämpfer ist, der nicht so schnell aufgibt. (APA)

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