Dürre - Gewitter können Trockenheit begünstigen

27. Juli 2006, 20:21
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Pflanzenwelt: Bei trockenem Boden geben Pflanzen Wasser an Umluft ab ohne Nachschub zu erhalten

Wien - Gerade die heftigen Gewitter, die in diesem Sommer bereits über Österreich niedergegangen sind, können in langen, heißen Schönwetterperioden Trockenheit stellenweise begünstigen, sagte Ernest Rudel, Klimatologe der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Wien zur APA. Die Ausdehnung dieser Niederschlag-Zellen sei gering - in den übrigen, von Wasser vernachlässigten Gebieten sei daher der Beginn einer Dürre möglich.

"Dürre" sei in unseren Breiten jedoch ein falscher Ausdruck. "Wir sollten von Trockenheit sprechen", meinte der Klima-Experte. Wenn monatelang kein Niederschlag fällt, für die Pflanzenwelt kein Wasser vorhanden ist und diese großflächig absterben, habe man es mit einer Dürre zu tun. Die Fauna könne sich kaum regenerieren, weil alles Wasser auf dem ausgedörrten Boden sturzbachartig oberflächlich abrinne. Bei Trockenheit hingegen gebe es keine bleibenden, sondern vorübergehende Schäden.

Einflüsse

Die "idealen" Zutaten für Dürre und Trockenheit sind Wärme, trockene Luft und kaum Regen. Die Verdunstung muss dabei größer sein als der Niederschlag. Hitze müsse jedoch nicht unbedingt ein Parameter dafür sein. Auch in Tropen ist es heiß - dort sei aber die Luftfeuchtigkeit hoch genug, damit keine Dürre entstehen kann, erklärte Rudel.

Österreich ist von Dürre weniger gefährdet als beispielsweise südeuropäische Länder wie Spanien oder Portugal. "In gemäßigten Zonen ist üblicherweise genug Niederschlag da", sagte der Klima-Experte. Der Dürre-Gürtel könne sich im Laufe eines heißen, regenarmen Sommers jedoch bis nach Nord-Italien und Frankreich ausdehnen und auch Österreich erreichen.

Die Wetterlage dafür könnte in der Alpenrepublik momentan nicht idealer sein: "Seit mehr als einem Monat haben wir fast durchgehend hohen Luftdruck mit schönem Wetter", sagte der Klimatologe. Generell seien die Temperaturen höher als noch vor 50 Jahren - damit sei auch die Chance auf Trockenheit und Dürre größer, so der ZAMG-Experte.

Trockenes Braun

Rein optisch können Dürregebiete ein sehr trostloses Bild bieten: Statt saftigem Grün zeigen die Pflanzen ein trockenes Braun. Ein Effekt der mangelnden Boden- und Luftfeuchte, schilderte Winfried Blum von der Universität für Bodenkultur (BOKU) am Donnerstag im Gespräch mit der APA. Wie schnell sich die Dürre ausbreitet, hängt unter anderem von der Bodenbeschaffenheit und den Temperaturen ab, sagte Blum.

Je tiefer etwa die Erdschicht ist, auf der Pflanzen wachsen können, desto länger dauert es, bis der "Welkpunkt" erreicht ist, so Blum. Ist der Boden trocken und die Luft auch, beginnt für die Pflanzen ein fataler Kreislauf: Sie geben Wasser an die Umluft ab, während sie dieses nicht mehr über die Wurzeln nachbeziehen können. Bleibt der Boden trocken, geht die Pflanze früher oder später ein.

Wie lange das tatsächliche Einsetzen der Dürre dauert, ist unterschiedlich, erklärte Blum. So habe man etwa im Marchfeld, wo der Boden 20 Zentimeter tief ist, bis zu drei Wochen Feuchtspeicherkapazität. (APA)

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