Deja-Vu-Erlebnisse im Labor produziert

27. Juli 2006, 20:20
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Forscher: Beim Erkennen von Bekanntem laufen zwei Prozesse im Gehirn ab, beim Deja-Vu einer irrtümlich

Paris - Wissenschafter haben einen Einblick in das Entstehen eines Deja-Vu-Erlebnisses erhalten. Sie fanden nach einem Bericht der am Samstag erscheinenden britischen Fachzeitschrift "New Scientist" heraus, warum der psychische Effekt, etwas bereits einmal gesehen oder erlebt zu haben, auch eintreten kann, wenn das Erlebte für den Betroffenen tatsächlich neu ist.

Die Forscher gehen davon aus, dass beim Erkennen eines bekannten Gegenstandes oder einer vertrauten Situation zwei Prozesse im Gehirn ablaufen. Zunächst werde das Gedächtnis durchsucht, um festzustellen, ob der Inhalt der Situation zuvor beobachtet worden ist. Falls dies zutrifft, sei ein anderer Teil des Gehirns dafür zuständig, die Szene oder den Gegenstand als bekannt zu identifizieren. Dieser zweite Prozess-Teil könnte beim Deja-Vu irrtümlich auftreten, wodurch ein Gefühl der Vertrautheit ausgelöst werde.

Versuch

Wissenschafter der nordenglischen Universität Leeds zeigten dazu 18 Freiwilligen 24 gebräuchliche Wörter und hypnotisierten die Testpersonen dann. Dabei wurde ihnen gesagt, dass sie beim nächsten Mal, wenn sie eins der Wörter in einem roten Rahmen sehen würden, es ihnen bekannt vorkommen würde, obwohl sie nicht wüssten, wann sie es zuletzt gesehen hätten. Wenn sie dagegen ein Wort in einem grünen Rahmen sehen würden, würden sie denken, dass das Wort auf der Liste mit den 24 Wörtern stehe.

Anschließend wurden die Testpersonen aus der Hypnose geholt und mit einer Reihe von Wörtern in verschiedenfarbigen Rahmen konfrontiert. Einige der Wörter standen nicht auf der zuvor gezeigten Liste und waren entweder rot oder grün gerahmt. Zehn der Freiwilligen gaben an, sie hätten ein sonderbares Gefühl beim Anblick von neuen Wörtern in rotem Rahmen gehabt; fünf weitere gaben an, dies habe sich definitiv wie ein Deja-Vu angefühlt. Nach Angaben des Doktoranden Akira O'Connor belegt dies, dass es sich in der Tat um zwei getrennte Prozesse handelt, die im menschlichen Gehirn ablaufen.

Hintergrund

Neben einer formulierten Hypothese, dass der Eindruck des Deja-vu die Erinnerung an ein Ereignis ist, von dem man geträumt hat, hatten frühere Forschungen darauf schließen lassen, dass ein Deja-Vu-Erlebnis im so genannten Schläfenlappen entstehe. Französische Forscher hatten herausgefunden, dass einem alles bekannt vorkommt, wenn Teile des Schläfenlappens mit Strom stimuliert werden.

Ergebnisse von John D.E. Gabrieli an der US-amerikanischen Stanford University legten die Annahme nahe, dass die Gehirnstrukturen Hippocampus und parahippocampaler Cortex unterschiedliche Funktionen in diesem Prozess erfüllen. Während der Hippocampus das bewusste Erinnern von Erlebnissen erlaube, könne der parahipppocampale Cortex zwischen vertrauten und unvertrauten Reizen unterscheiden, und zwar ohne dabei unbedingt auf eine konkrete Erinnerung zurückzugreifen.

Josef Spatt vom Ludwig-Boltzmann-Institut in Wien hatte darauf aufbauend die Hypothese formuliert, ein Deja-vu entstehe dann, wenn der Parahippocampus ohne Beteiligung des Hippocampus ein Vertrautheitsgefühl auslöst. In diesem Augenblick nämlich würde eine momentan wahrgenommene Szene als bekannt empfunden, obgleich sie zeitlich nicht eindeutig zugeordnet werden könne. (APA/red)

Abstract
New Scientist: Déjà vu created in the lab
  • Schon gesehen? Schon erlebt? Beim Erkennen von Bekanntem laufen zwei Prozesse im Gehirn ab, so Forscher in der britischen Fachzeitschrift "New Scientist".
    foto: photodisc

    Schon gesehen? Schon erlebt? Beim Erkennen von Bekanntem laufen zwei Prozesse im Gehirn ab, so Forscher in der britischen Fachzeitschrift "New Scientist".

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