Handyalarm rettete vor Tsunami

28. Juli 2006, 15:38
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Warnsystem übers Internet erhältlich

Glück im Unglück hatten die Gäste des Austrian Beach Hotel in Sri Lanka bei der jüngsten Tsunami-Katastrophe im asiatischen Raum: Über ihr Handy erhielt Hotelbesitzerin Christl Wildschek, zwei Minuten nachdem das Beben von den seismischen Stationen entdeckt wurde, eine Warnmeldung und konnte diese rechtzeitig an ihre Gäste weitergeben.

Auch die Gäste des Phi Villa Ressorts in Thailand konnten beizeiten gewarnt werden: "Ich habe den Alarm zwei Stunden vor der CNN-Meldung empfangen", berichtet Hotelmanager Joni Soila.

"Tsunami-Warnsystems für jedermann"

Wildschek (deren Hotel bei der verheerenden Flutwelle am 26. Dezember 2004 zerstört wurde) und Soila sind Abonnenten eines "Tsunami-Warnsystems für jedermann", das von den Tübinger Professoren Eduard Heindl und Wolfram Reiners entwickelt wurde.

Deutsche Entwicklung

Das Alarmsystem meldet innerhalb weniger Minuten nach einem Seebeben, ob und wann ein Tsunami bestimmte Küstenregionen bedrohen wird. Trotz der aufwändigen Technologien, die dahinter stecken, lässt es sich laut Angaben sehr einfach bedienen. Touristen, Geschäftsreisende, Mitarbeiter von Unternehmen, die in küstenreichen oder erdbebengefährdeten Regionen arbeiten, abonnieren das Tsunami-Warnsystem unter Angabe ihrer Mobiltelefonnummer auf der Website. Weitere Installationen oder Downloads sind nicht nötig.

Angeboten wird es im Abonnement. Wer das System nur während seines Urlaubs nutzen will, bezahlt 9,95 Euro Monatsgebühr, für Hotels etc. gibt es ein Jahresangebot, das knapp 30 Euro kostet.

Seit Dezember 2004

Das Alarmsystem per Handy wurde von den beiden Forschern im Dezember 2004 ins Leben gerufen. Unter dem Eindruck der gewaltigen Zerstörungen der Tsunami-Katastrophe im Indischen Ozean entstand bei ihnen der Wunsch, moderne Informationstechnologien einzusetzen, um Menschen vor einem ähnlichen Ereignis rechtzeitig warnen zu können. "Leider ist die Anzahl unserer Nutzer noch zu gering, als dass wir bei der aktuellen Katastrophe wirkungsvoll zur Rettung von Menschenleben hätten beitragen können", bedauert Reiners. 350 Todesopfer und zehntausende von Obdachlosen sind zu beklagen. (kat)

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