Chicago: Folter von Schwarzen bei Polizei bleibt ohne Folgen

21. Juli 2006, 09:36
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Foltermethoden bei Verhören bestätigt aber Ermittler können wegen Verjährung keine Anklage erheben

Chicago - Sonderermittlungen bei der Polizei in Chicago haben nach Angaben der Staatsanwaltschaft Mutmaßungen über Foltermethoden bei Verhören von Schwarzen bestätigt. Die untersuchten Vergehen lägen aber schon zu lange zurück, als dass sie noch strafrechtlich verfolgt werden könnten, heißt es in dem am Mittwoch veröffentlichten Bericht der Anwälte Robert Boyle und Edward Egan. Sie waren vier Jahre lang Vorwürfen von Folteranwendung in der siebziger und achtziger Jahren nachgegangen.

"Es gibt Fälle, in denen es nach unserer Auffassung gerechtfertigt wäre, gegen Polizeibeamte von Chicago Anklage wegen Gefangenenmisshandlung zu erheben", heißt es in der Studie. "Nach unserer Einschätzung würde das Beweismaterial in diesen Fällen ausreichen, um die Schuld der Betroffenen praktisch ohne jeden Zweifel festzustellen." Konkret handele es sich dabei um mindestens drei Vorkommnisse. Dazu gehört dem Bericht zufolge auch der Fall eines Verdächtigen, dessen Schilderungen von Schlägen und Elektroschocks schließlich zur Entlassung des zuständigen Polizeikommandeurs führten.

Boyle and Egan erklärten ferner, dass sie noch in weiteren Fällen persönlich von der Richtigkeit der vorgetragenen Vorwürfe überzeugt seien. Hier sei das Beweismaterial allerdings nicht eindeutig genug. Letztlich aber seien alle Fälle bereits verjährt, so dass eine Anklage nicht möglich sei. (APA)

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