Deformation professionelle

20. Juli 2006, 17:02
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Das Gute zuerst: Man fragt sich schon, wie ein junger Mensch herausfinden soll, ob ihm der Beruf des "Food Designers" läge

Das Gute zuerst: Wer davon träumt, Lokomotivführer zu werden, dem verschafft bei entsprechend eindrücklich vorgebrachtem Begehren Dipl. Ing. Erwin Wildberger von den ÖBB die Möglichkeit, einmal in einer richtigen Lok mitzufahren.

Das weniger Gute ist, dass Menschen mit dem Drang oder Talent, z. B. das Geschlecht von Küken durch bloßes Beschauen und Betasten bestimmen zu können, kaum Gelegenheit geboten wird, ihren Traumjob einmal auszuprobieren. Auch die mental anspruchsvollen Berufe, wie Froschführen (das Bändigen des Hüpfstampfers im Straßenbau), Schrappen (das Glätten haushoher Kieshaufen mittels eines Krananhängsels) oder Krevettenschälen (aus preislichen Gründen leider oft in die CEE ausgesurst) bieten weder einen "Tag der offenen Tür" noch einen "Töchtertag".

Man fragt sich schon, wie ein junger Mensch heutzutage herausfinden soll, ob ihm der Beruf des "Food Designers", also das Lackieren und Föhnen von Hühnerteilen nebst dem Horten von Tafelgeschirr zur gefälligen Präsentation derselben mehr läge als etwa der des Zerspanungsmechanikers. Welche Eigenschaften muss man an sich entdecken, um zum Präparator geboren zu sein? Zum Souffleur? Zum Friedhofsgärtner, Küster oder Podologen? Sowie all das mit -in hinten?

Eine Versicherung affichierte unlängst zwar, dass das abgebildete Knäblein dereinst "wird einen Beruf ausüben, den es heute noch gar nicht gibt", diese Prognose erscheint aber angesichts der vielen schönen Tätigkeiten, die man sich schon jetzt kaum vorstellen kann, gewagt. Aromatiker - also Leute, die ihre Riechorgane berufsmäßig in anderer Leute Achselhöhlen, Pyjamas oder Schweißtücher stecken. MüllauflegerIn. SaunawärterIn, WachszieherIn. Pear-Puller (Personal, das Birnen aus dem Verkehr zieht, die sich auf einem Förderband so verhakt haben, dass sie das Defilee obstruieren). Mais-Abrebler, wobei sich der Stärkepick samt dem Zeug, das sich schon beim Popcornessen immer in den Barten fängt, gleichmäßig auf alle Körperöffnungen verteilt.

Die Neigungsgruppe SeniorensportleiterIn darf sich jedenfalls jetzt schon frohgemut formieren - ihr Traumjob ist längst per BKZ (Berufskennziffer) erfasst worden. Lucky you! (Una Wiener/Der Standard/rondo/21/7/2006)

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