Flüchtlingsströme werden immer größer: 700.000 Menschen

20. Juli 2006, 14:20
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Jeder sechste Libanese auf der Flucht - UNHCR-Sprecher: "Dies ist ein offener Krieg"

Beirut/Genf/Berlin - Der Flüchtlingsstrom innerhalb des Libanon nimmt immer größere Ausmaße an. Mittlerweile ist fast jeder sechste Einwohner des Landes auf der Flucht. Wie der arabische Nachrichtensender Al-Arabiya am Mittwoch unter Berufung auf Regierungsbeamte berichtete, haben mehr als 700.000 der rund vier Millionen Einwohner seit Beginn der israelischen Luftangriffe ihre Häuser verlassen.

Ein großer Teil von ihnen sei bei Freunden oder Verwandten in Regionen untergekommen, die sie für sicherer hielten. 70.000 Familien hätten Zuflucht in staatlichen Schulen gefunden. Hilfsorganisationen arbeiten auf Hochtouren, um die Versorgung der Flüchtlinge sicherzustellen. Mitarbeiter der katholischen Caritas International erklärten, angesichts der wachsenden Zahlen gelange man an die Grenzen der Leistungsfähigkeit.

Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) meldete eine halbe Million Libanesen, die innerhalb ihres Landes auf der Flucht sind. Die Organisation komme aber kaum mit der Zählung nach. "Dies ist ein offener Krieg, die Zahlen ändern sich stündlich," sagte ein Sprecher des UNHCR am Mittwoch in Genf. Es gebe größere Mengen von Zelten, Plastikbahnen für Notunterkünfte und Decken, die in Jordanien und Syrien für den Transport in das Krisengebiet bereitstehen.

Die deutsche Bundesregierung stellt eine weitere Million Euro für die Not leidende Zivilbevölkerung im Libanon zur Verfügung. Bereits in der vergangenen Woche hatte sie 500.000 Euro freigegeben. Der französische Staatspräsident Jacques Chirac verlangte "humanitäre Korridore" für die Libanonflüchtlinge. In den vergangenen Tagen hatte die israelische Luftwaffe eine der Hauptevakuierungsrouten, die Straße zwischen Beirut und Damaskus, mehrfach bombardiert. (APA/dpa)

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