Satte Zufriedenheit in Paris

27. Juli 2006, 14:42
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Auch die Umsätze der Pariser Auktionshäuser im ersten Halbjahr 2006 bestätigen den internationalen Trend zu immer neuen Rekorden und Höhenflügen

Dennoch wenden einige Häuser feinste Bilanzkosmetik an. Eine Bereinigung der satten Zahlen.


Paris - Der Pariser Kunstmarkt 2006 geht mit der Hitze konform: bis Ende Juni stieg er wie das Quecksilber im Thermometer kontinuierlich hoch. Laut Angaben der in Paris versteigernden Auktionshäuser haben diese insgesamt 511 Millionen Euro brutto umgesetzt.

Dabei kommen 253 Millionen Euro auf die in der Drouot-Holding zusammengeschlossenen Auktionatoren. Diese rund 70 Versteigerer geben zwar 280 Millionen Euro für die ersten sechs Monate an, inkludieren dabei aber die Auktionsergebnisse der vom Drouot unabhängigen Häuser Tajan und Pierre Bergé & Associés, weil diese auch die Drouot-Versteigerungssäle benützen. Die obige Umsatzzahl ist dementsprechend berichtigt. Im Verhältnis zum ersten Semester 2005 steigerte Drouot heuer sein Auktionsvolumen um zwanzig Prozent, wobei die von Enchères Rive Gauche organisierte Vérité-Stammeskunstauktion mit ihren 44 Millionen Euro beträchtlich zum guten Ergebnis beitrug.

Mit den 5,9 Millionen Euro für die Ngil-Maske der Fang aus der Vérité-Sammlung erzielte Drouot den höchsten Zuschlag des Halbjahres. Paris beweist wieder einmal seine weltweite Führungsposition auf dem Sektor der Stammeskunst.

Der zweithöchste Preis, nämlich 4,169 Millionen Euro, wurde im Drouot für eine chinesische Vase des 14. Jahrhunderts bewilligt. Spitzenstücke aus den ehemaligen asiatischen Kolonien tauchen zusehends in der Seine-Stadt auf. Prozentual spektakulär ist die Verbesserung von Christie's Paris auf 122,8 Millionen Euro, eine stolze 149-Prozent-Steigerung des Umsatzvolumens, wie Christie's Europa-Direktor François Curiel vermeldet, wobei er sich für seine satte Zufriedenheit beinahe geniert.

Die sensationell verkaufte Art-Déco- und Zeitgenossen-Kunstsammlung von Claude und Simone Dray schlug allein mit 59,7 Millionen Euro zu Buche. Deshalb nahm Christie's im ersten Semester in Paris bereits mehr ein als im ganzen Jahr 2005, als das Haus von François Pinault insgesamt 115 Millionen Euro umsetzte. Christie's Toplos ist ein Paar Jardinières (Blumentische) von Armand Albert Rateau, wofür die Pariser Händler Cheska und Robert Vallois den dritthöchsten Halbjahreszuschlag in der Höhe von 4,168 Mio. Euro bezahlten.

Das Art-Déco-Segment ist ebenfalls eine der Stärken des Pariser Marktes, wie eine Serie von Weltrekorden im Juni dieses Jahres aufzeigt. Für die Rekordstatistik notiert man, dass bei Christie's der Hammer 16-mal über einer Million Euro fiel, zwölfmal im Drouot, bei Artcurial, Tajan, Sotheby's und Pierre Bergé & Associés je einmal.

Weit abgeschlagen im Ranking steht Artcurial-Briest-Poulain-Le Fur-F. Tajan mit 48,4 Millionen Euro. Die Herren gaben allerdings 53 Millionen Euro bekannt, weil sie kühnerweise die zukünftigen August-Auktionen in Monaco mitrechneten. Diese Kalenderausdehnung praktizieren auch Sotheby's und Tajan: Um die gleich bleibende Zahl von 37 Millionen Euro im Vergleich zum vorigen Halbjahr zu kaschieren, kalkulierte Tajan 5 Millionen Euro für Monaco "in spe" ein, die wir einfach abzogen.

Erotika-Sammlung

Der ehemalige Modezar Pierre Bergé, setzte mit seinen beiden den Hammer schwingenden Auktionatoren 26,3 Millionen Euro um, was das Doppelte des ersten Halbjahres 2005 ist. Pierre Bergé & Associés rangiert auf dem Antiquariatssektor an der Spitze. Auch die internationalen Häuser versteigerten gute Bibliotheken wie die gewagte Erotika-Sammlung Gérard Nordmann (Christie's, 2,2 Millionen Euro), die Bibliothek eines Anonymen (Christie's 4,2 Millionen Euro) oder die des Baron Alain de Rothschild (Sotheby's, 1,36 Millionen Euro). Pierre Bergé & Associés haben mit dem Lager und der Privatbibliothek des (immer noch lebenden) 93-jährigen Pariser Antiquars Pierre Berès das große Los gezogen:

Die vierte Berès-Auktion fuhr im Juni 14,3 Millionen Euro ein. Damit können die anderen Häuser nicht konkurrieren. Apropos Konkurrenz: Sotheby's steht an letzter Stelle des Rankings, weil die amerikanische Firma im ersten Semester in Paris nur 24 Millionen Euro umgesetzt hat, was besser ist als die 21,5 Millionen Euro des Halbjahres 2005.

Am erfolgreichsten war Sotheby's mit afrikanischer Tribal Art für 8,9 Millionen Euro. Sotheby's stockt seine Bilanz auf, indem Auktionsergebnisse des Monats Juli eingeschmuggelt werden, um sich besser im Ranking zu positionieren. Sehr seriös ist das nicht, aber man muss den Auktionatoren halt immer auf die Finger schauen. (Olga Grimm-Weissert, DER STANDARD, Printausgabe vom 20.7.2006)

  • Mit den 5,9 Millionen Euro für die Ngil-Maske erzielte Drouot den höchsten Zuschlag des ersten Halbjahres.
    foto: drouot

    Mit den 5,9 Millionen Euro für die Ngil-Maske erzielte Drouot den höchsten Zuschlag des ersten Halbjahres.

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