Ohne Unschuldsvermutung

27. Juli 2006, 14:42
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Siegfried Anzinger in der Galerie Krinzinger - und was die nackten "Frauen in den Bäumen" so treiben

Wien - Sehr sexy klingt er nicht, der Titel der Ausstellung von Siegfried Anzinger - und was die nackten "Frauen in den Bäumen" so treiben, weiß man auch nicht so genau. Umso witziger ist deswegen aber auch sein neuer Arbeitszyklus, in dem er sich mit dem zentralen kunsthistorischen Thema der Aktdarstellung befasst.
Die Expressionisten glaubten in Südseeparadiesen die "Natürlichkeit" und "Unschuld" der Sexualität wiederzufinden. Anzinger weiß, dass das so nicht mehr geht: Seine nackten Frauen haben die Unschuld schon lange verloren. Sie räkeln sich in den Bäumen, strecken den Betrachtern den nackten Hintern entgegen und würden aus lauter sexueller Langeweile vielleicht auch kollektiven Selbstmord begehen.
Noch leben sie aber gemeinsam in den Ästen von Bäumen, wo sich ihre Reize allerdings in den skurrilen Posen, Blicken, Ästen und Bildtiteln verlieren. Schuhabtritte strukturieren darüber hinaus einige seiner Bilder, deren erotisches Potenzial tatsächlich sehr schwer beschädigt ist. (cb/DER STANDARD, Printausgabe, 22.7.2006)
Galerie Krinzinger
1., Seilerstätte 16
01/513 30 06
Di-Fr 12-18, Sa 11-16
Bis 29. 7.
  •  Aus dem Zyklus "Frauen in den Bäumen" von Siegfried Anzinger: "Leintuch", 2006.
    foto: galerie krinzinger

    Aus dem Zyklus "Frauen in den Bäumen" von Siegfried Anzinger: "Leintuch", 2006.

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