Zunehmende Kritik an Sexpuppenplakat

28. August 2006, 15:44
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Geplante Kampagne der möwe sorgt weiterhin für Proteste - Stopp der Aktion gefordert - Entscheidung in den nächsten Tagen

Immer mehr Organisationen fordern einen Stopp der geplanten "Love-Doll"-Kampagne der Kinderschutzorganisation die möwe. "Ich kann nicht verstehen, warum man in so einem sensiblen Bereich mit der Holzhammermethode drüberfährt", meint Kurt Nekula, der Vorstand des Österreichischen Verbandes der Elternvereine. Auch die sechs oberösterreichischen Kinderschutzzentren distanzieren sich von der Werbekampagne.

Sex-Gummipuppe mit kindlichen Zügen

Wie berichtet, zeigen die umstrittenen Plakate eine Sex-Gummipuppe mit kindlichen Zügen. Der Kinderpsychiater Max Friedrich legte daraufhin aus Protest alle Funktionen bei der möwe zurück. Die Wiener Psychotherapeutin und Traumaspezialistin Silvia Franke drohte im Fall der Plakatierung mit Anzeigen gegen die Verantwortlichen. Die Psychotherapeutin und möwe-Mitbegründerin Rotraud Perner hingegen hat gegen das Sujet nichts einzuwenden. Sie schlägt aber einen ergänzenden Schriftzug wie zum Beispiel "Schau nicht weg" vor.

"Nichts an diesem Plakat vermittelt Hilfe"

Elternvereinchef Nekula, der hauptberuflich in der Gesellschaft Österreichischer Kinderdörfer tätig ist, kritisiert, dass die geplante Kampagne "zu oberflächlich" bleibe. "Nichts an diesem Plakat vermittelt Hilfe, offensichtlich geht es nur um den Hinschaueffekt", so Nekula. Auch beim Kinderschutzzentrum Oberösterreich heißt es: "Die bildliche Darstellung einer Sexpuppe dient nicht einer sachlichen Aufklärung zum Thema Gewalt gegen Kinder, sondern bedient Vorurteile und Voyeurismus."

Entscheidung in den kommenden Tagen

Eine Entscheidung darüber, ob die geplanten Plakate und Inserate erscheinen, soll in den kommenden Tagen fallen. Noch laufen die zusätzlich in Auftrag gegebenen Tests, ob das Sujet möglicherweise missverstanden werden könnte, erklärte möwe-Präsidentin Martina Fasslabend auf Standard-Anfrage.

Taddybären als Alternativvorschlag

Für die Plakatgestalter von der Wiener Agentur Publicis symbolisiert die (nicht real exisitierende) Gummipuppe mit dem aufgerissenen Mund "ein Kind, das als seelenloses Spielzeug verwendet wird". Die Wiener Creativ Agentur GuruMeditation hat inzwischen auf eigene Faust einen Alternativvorschlag ausgearbeitet: Die Puppe wurde durch einen geknebelten Teddybären ersetzt. Der scheint aber wiederum der SM-Szene entsprungen zu sein. (DER STANDARD, Printausgabe, 20.7.2006, Michael Simoner)

  • Alternativvorschlag: geknebelter Teddybär
    foto: gurumeditation

    Alternativvorschlag: geknebelter Teddybär

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