Ping und Pong am Verteilerkreis

21. Juli 2006, 14:51
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Die Austria und der GAK führten wieder einmal vor, wie der Mensch mit der nicht zu unterschätzenden Belastung des Sommers umgehen sollte

Wien - Für jemanden, der die Scheidung will, zeigt er zu viel Interesse an der Braut. Frank Stronach besuchte das Horr- Stadion, und zum Glück verbinden ihn durch das Stadionprojekt in Rothneusiedl weiterführende Interessen mit der Austria, das Spiel gegen den GAK (0:0) alleine wäre kein Grund gewesen, wach zu bleiben. Aber das wusste sogar Stronach erst im Nachhinein. Austrias Trainer Frenkie Schinkels hatte die Größe, das auch zuzugeben: "Vor der Pause haben wir nicht wie ein Meister gespielt, vom Kopf und von der Taktik her. "Der GAK wollte kontern, konnte meist nicht, die Austria wollte inszenieren und konnte sich praktisch nie dazu aufraffen.

Die Aufstellung versprach eine auch im Vergleich zum Vorjahr und trotz der vielen Verluste an hochwertigen Mitarbeitern halbwegs prominent besetzte Mannschaft. Der Trend zum jungen Österreicher hat sich freilich trotz gegenteiliger Versicherungen noch immer nicht durchgesetzt, Pichlmann und Kiesenebner waren die einzigen für das ÖFB-Team selektionierbaren Mitarbeiter der Wiener. War es die noch rumorende Erinnerung an die WM, waren es die hochsommerliche seelische Leichtigkeit und die Erleichterung, endlich wieder einen Grund zu haben, nicht vor dem Fernseher zu sitzen, sondern tatsächlich fortgehen zu müssen, die Vorfreude sank mit Fortdauer des Spiels in sich zusammen. Endlos weite Räume um die Spieler herum, viel Getrabe mit dem Ball, während neun Kollegen interessiert dabei zusahen, Flanken in den GAK-Strafraum, wo in der Regel ein Austrianer inmitten von vier GAK-Verteidigern die Flugbahn des Balles wie ein Kind die Sterne im Planetarium beobachtete. Unterbrochen von gelegentlichen Sprints des Austria-Stürmers Sebo mit dem Ball, endend im Nirgendwo, im Ballverlust oder in einem Schuss. Aigner köpfelte über das Tor, Troyansky pfefferte drüber, und der in den letzten zehn Minuten eingewechselte Wallner versuchte es ebenfalls vergeblich. Knapp vor dem Ende hätte Hassler nach einem Konter beinahe ein Tor geköpfelt.

Erklärungsroutine

Den größten Unterhaltungswert der Grazer besitzt zweifellos der Verteidiger Eric Akoto, dessen Passes und Schüsse rätselhafter sind als karibische Fonds. 2004 war dieser Klub Meister, binnen eines Jahres hat er erheblich an Qualität verloren, wenn auch eine Katastrophenserie wie im vergangenen Frühjahr unwahrscheinlich ist. Es sei denn, Akoto reißt eine Form auf.

Anschließend die Erklärungsroutine. "Kompakt gespielt"; "Glück gehabt"; Räume eng gemacht", "in der Offensive können wir besser spielen" (alles GAK-Trainer Lars Söndergaard). Schinkels verglich die GAK-Schüsse mit seiner Frau beim Tischtennisspielen, was hoffentlich nicht zum Ehethema wird. Doch da er behauptete, die seinen seien nach der Pause mit Druck und Kreativität zu Werke gegangen, dürfte auch das mit dem Pingpong nicht so ernst gemeint gewesen sein. Aber irgendwie muss der Mensch ja den Sommer überstehen und die WM verarbeiten. (DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 20. Juli 2006, Johann Skocek)

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