Bregenzer Leitlinien für das Miteinander

20. Juli 2006, 20:36
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Integrationspolitik als Querschnittsmaterie - Wesentlicher Schwerpunkt des Maßnahmenkatalogs ist die Bildungspolitik

In Bregenz leben 28.935 Menschen aus 90 Nationen, 18,3 Prozent haben eine andere als die österreichische Staatsbürgerschaft. Seit einem Jahr wird die Stadt schwarz-grün regiert.

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Bregenz – Einen "Paradigmenwechsel" in der kommunalen Integrationspolitik erhofft sich Mario Lechner (Grüne) durch das neue Bregenzer Entwicklungskonzept Integrationspolitik. Ziel des Konzeptes: Integration wird in Verwaltung und politischen Gremien als Querschnittsmaterie gesehen. Die Leitlinien sind Ergebnis eines einjährigen Diskussionsprozesses im 2005 geschaffenen Ausschuss für Migration und Integration. Mario Lechner: "Das Konzept ist ein gemeinsames Werk von ÖVP, SPÖ, Grünen und der Verwaltung." Lechner sieht die Kooperation als Beispiel für andere Politikfelder: "Es könnte Vorbildwirkung haben." Das Integrationskonzept wurde von der Stadtvertretung beinahe einstimmig beschlossen – die einzige Gegenstimme kam von der FP.

In der Vorarlberger Landeshauptstadt wird seit 1981 "Gastarbeiterpolitik" gemacht. Das Gastarbeiterreferat und ein Gastarbeiterlokal (seit Februar des Jahres "Ort der interkulturellen Begegnung") wurden eingerichtet. Erste Ansätze eines Wechsels von der Gastarbeiter- zur Integrationspolitik zeigten sich 2004, als mit Necla Güngörmüs eine "Migrationsbeauftragte" eingestellt wurde. Allerdings ohne klaren Auftrag und ohne abgestimmtes Konzept. Das soll sich nun durch einen neuen "Fachbereich Integration" ändern. "Interkulturelle Sensibilität" wird künftig allen städtisch Bediensteten nahe gelegt. Lechner: "Ob sich ganzheitliche Integrationspolitik in allen Amtsstellen verwirklichen lässt, wird von den einzelnen Personen abhängen."

Wesentlicher Schwerpunkt des Maßnahmenkatalogs ist die Bildungspolitik. So wird die Sprach-Früherziehung forciert, mehr Deutschkurse werden angeboten, die Stadtbibliothek erweitert das Angebot fremdsprachiger Literatur. Vereine sollen sich für Migrantinnen und Migranten öffnen. (Jutta Berger, DER STANDARD Printausgabe 20.7.2006)

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