EU erwartet Angriffe auf internationale Friedenstruppe

22. Juli 2006, 15:14
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Sonderbeauftragter kritisiert "Fehler" der Staatengemeinschaft

Brüssel - Die Europäische Union rechnet mit verstärkten Angriffen von radikal-islamischen Taliban-Rebellen auf die Internationale Schutztruppe ISAF in Afghanistan. "Ich bin sicher, es wird Attacken auf sie geben. Die Öffentlichkeit sollte darauf vorbereitet werden, dass es Verluste geben wird", sagte der Sonderbeauftragten der Europäischen Union für Afghanistan, Francesc Vendrell, am Mittwoch in Brüssel.

Nach Angaben von Vendrell wird die ISAF ihre Präsenz in Südafghanistan weiter verstärken. Neben 3.000 britischen und 2.000 kanadischen Soldaten werden in Kürze 1.5000 niederländische und 250 australische Soldaten in der Region stationiert werden. Die USA hätten weiterhin 20.000 Mann in Afghanistan im Einsatz.

In Hinblick auf die sich verschlechternde Sicherheitslage im Süden des Landes kritisierte der EU-Beauftragte "Fehler" der internationalen Gemeinschaft. So sei es ein Fehler gewesen, "Warlords" nach der Niederschlagung des Taliban-Regimes nicht umgehend zu entwaffnen. Auch die Entscheidung, die Friedenstruppe ISAF anfänglich auf die Hauptstadt zu beschränken, kritisierte Vendrell. Die Truppe habe ein Mandat für friedensschaffende, nicht nur friedenserhaltende Einsätze.

Auswirkungen des Gewalteskalation im Nahen Osten auf Afghanistan sieht der EU-Beauftragte nicht. Die Afghanen seien zu sehr mit ihren eigenen Problemen beschäftigt und würden der schiitischen Hisbollah-Miliz im Libanon keine Beachtung schenken. (APA)

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