Libanesischer Ex-Armeechef: Israel kann Hisbollah allein nicht bezwingen

21. Juli 2006, 07:09
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Pro-westlicher Christenführer Aoun fordert Waffenstillstand und Verhandlungen über Gefangenenaustausch unter Vermittlung der Vereinten Nationen oder "befreundeter Staaten"

Beirut/Kairo - Die israelische Armee ist nach Einschätzung des einflussreichen pro-westlichen libanesischen Christenführers und Ex-Armeechefs General Michel Aoun nicht in der Lage, die pro-iranische Schiitenbewegung Hisbollah und deren Miliz im Libanon gänzlich auszuschalten. "Ich glaube nicht, dass Israel allein die Hisbollah bezwingen kann", sagte der 71-jährige maronitische Oppositionsführer, der als möglicher Nachfolger von Staatspräsident Emile Lahoud gehandelt wird, am Mittwoch in einem Interview mit dem TV-Nachrichtensender Al-Arabiya. Zur Begründung fügte er hinzu, die Hisbollah sei die politische Vertretung der Mehrheit der libanesischen Schiiten, der mit rund 40 Prozent Bevölkerungsanteil größten Konfessionsgruppe des Landes.

Unter Vermittlung der Vereinten Nationen oder "befreundeter Staaten"

Der Führer der antisyrischen "Freien Patriotischen Bewegung" (CPL), der im Mai 2005 nach dem syrischen Truppenrückzug im Triumph aus 15-jährigem Exil in Frankreich zurückgekehrt war, rief zu einem Waffenstillstand auf. Verhandlungen über einen Gefangenenaustausch könnten unter Vermittlung der Vereinten Nationen oder "befreundeter Staaten" geführt werden, fügte er hinzu. Auf die Frage, ob die Hisbollah die Schuld an der Eskalation des Konflikts trage, sagte Aoun: "Es wäre falsch, zu einem Zeitpunkt, wo man sich im Krieg gegen einen äußeren Feind befindet, interne Rechnungen begleichen zu wollen."

Aoun bot sich Israel als "Mediator" an

Im Februar war Aouns CPL überraschend ein Bündnis mit der Hisbollah eingegangen, das von beiden Seiten mit der Notwendigkeit begründet wurde, einen neuen konfessionellen Bürgerkrieg als Folge des Streits um die Mohammed-Karikaturen abzuwenden. Aoun hatte sich vor wenigen Tagen den Israelis als "Mediator" in der Angelegenheit der von der Hisbollah entführten Soldaten angeboten. Die "Freie Patriotische Bewegung", der sich auch vormals prosyrische Christengruppen angeschlossen haben, stellt 21 Abgeordnete in dem (2005 gewählten und aus 64 Christen und 64 Muslimen zusammengesetzten) Parlament in Beirut. (APA/dpa)

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    Der Führer der antisyrischen "Freien Patriotischen Bewegung" Michel Aoun hat sich den Israelis als "Mediator" in der Angelegenheit der von der Hisbollah entführten Soldaten angeboten.

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