Chronologie: Vor einer Woche eskalierte Konflikt

19. Juli 2006, 17:50
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Von der Entführung zweier israelischer Soldaten durch die Hisbollah bis zum Eindringen von isrealischen Bodentruppen in den Libanon

Beirut/Jerusalem - In nur einer Woche eskalierte der Konflikt im Nahen Osten dramatisch:

  • 12. Juli: Die pro-iranische Schiitenmiliz Hisbollah entführt an der Grenze zum Libanon zwei israelische Soldaten und tötet acht weitere. Israel spricht von einem "Kriegsakt", für den es die libanesische Regierung, in der die Hisbollah vertreten ist, verantwortlich macht. Nach dem am 28. Juni begonnenen Großangriff ("Operation Sommerregen") im Gaza-Streifen kämpft die israelische Armee damit an zwei Fronten.



  • 13. Juli: Beginn der Offensive "Angemessener Preis". Die israelische Luftwaffe bombardiert den internationalen Flughafen von Beirut und einen Vorort der libanesischen Hauptstadt, der als Hochburg der Hisbollah gilt. Gleichzeitig verhängt Israel eine Seeblockade gegen das Nachbarland. Bei Hisbollah-Raketenangriffen auf Nordisrael kommen drei Menschen ums Leben. Auch die drittgrößte israelische Stadt Haifa gerät erstmals unter Beschuss.



  • 14. Juli: Israelische Kampfjets bombardieren das Hauptquartier der Hisbollah und das Haus ihres Führers, Scheich Hassan Nasrallah. Dieser droht Israel mit einem "offenen Krieg". Schiiten-Milizionäre feuern weiter hunderte Katjuscha-Raketen auf den Norden Israels. Der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad warnt Israel vor einem Angriff auf Syrien. Ein solcher hätte unabsehbaren Folgen. Ein israelisches Kriegsschiff wird von einem von der Hisbollah abgefeuerten Marschflugkörper aus iranischer Produktion getroffen, vier Tote.



  • 15. Juli: Israelische Kriegsschiffe nehmen die Häfen von Beirut, Tripoli und Jounieh unter Beschuss. Verschiedene europäische Staaten bereiten die Ausreise ihrer Landsleute aus dem Libanon vor.



  • 16. Juli: Ungeachtet eines Appells des G-8-Gipfels in St. Petersburg werden die Kämpfe fortgesetzt. Bei einem Angriff der Hisbollah auf Haifa mit iranischen Raketen werden neun Israelis getötet. Israelische Kampfflieger beschießen erneut die Hisbollah-Zentrale und den Hisbollah-Sender Al-Manar. Bei den bis dahin blutigsten Angriffen sind 60 tote Libanesen zu beklagen.



  • 17. Juli: Israel will seine Offensive fortsetzen, bis die Hisbollah keine Bedrohung für das Land mehr darstellt. UNO-Generalsekretär Kofi Annan stellt sich hinter die Forderung der G-8 nach einer internationalen Friedenstruppe. Der libanesische Staatspräsident Emile Lahoud wirft Israel den Einsatz international geächteter Phosphor-Brandbomben vorgeworfen. Der ägyptische Präsident Hosni Mubarak warnt Israel davor, dass es aus der gegenwärtigen Krise nicht als Sieger hervorgehen werde; vielmehr ziehe es noch viel mehr Hass auf sich.



  • 18. Juli: Der Iran spricht von einem "Krieg gegen Israel zur Befreiung des palästinensischen Volkes". US-Präsident George W. Bush wirft Syrien vor, wieder in den Libanon zurückkehren zu wollen, aus dem es sich 2005 hatte zurückziehen müssen. "Wurzel des Problems" sei die Hisbollah, sagt Bush. Israel bombardiert eine libanesische Armeekaserne in der Nähe des Präsidentenpalastes im Osten Beiruts, elf Soldaten werden getötet, 40 weitere verletzt.



  • 19. Juli: Israelische Bodentruppen dringen auf libanesisches Gebiet vor. Das Sicherheitskabinett unter Premier Ehud Olmert beschließt, die Angriffe "ohne Zeitlimit" fortzuführen. Nach UNHCR-Angaben sind mehr als 500.000 Libanesen auf der Flucht. Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana und Deutschland rufen Israel zur Zurückhaltung auf. (APA/dpa)
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