Menschenaffen-Fleisch wird auch nach Europa importiert

22. Juli 2006, 11:00
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In Kanada und den USA taucht illegales "Bush-Meat" ebenfalls auf - mit ökologischem und seuchenhygienischem Gefahrenpotenzial

San Francisco/New York - Fleisch von Menschenaffen wie Schimpansen und Gorillas sowie anderen gefährdeten Wildtieren Afrikas taucht immer häufiger auf illegalen Märkten in Europa und in den USA auf. Zu diesem Schluss kommt eine nun im Wissenschaftsmagazin "National Geographic" veröffentlichte Studie. Solchen illegalen Märkte konnten Forscher um Justin Brashares von der University of California in Berkeley in Paris, Brüssel, London, New York, Montreal, Toronto und Los Angeles ausmachen.

Geschmuggelt und getarnt

Die Forscher haben in den Städten 27 Menschenaffen-Fleischproben entdeckt. Allerdings waren sie nicht leicht als Affenfleisch zu identifizieren, da die gesamten Skelettteile fehlten. "Das meiste illegale Fleisch kommt in Koffern oder Kisten, aber auch in Containern in diese Länder", so Brashares. Der Ökologe für Wildtiere ist erstmals vor einigen Jahren von einem in New York lebenden Ghanesen auf die Situation aufmerksam geworden. "In den USA sind die Flughäfen JFK in New York und Miami die Hauptumschlagplätze", erklärte der Experte.

Um alle Container und Gepäckstücke zu überprüfen fehle die Zeit. "Die meisten Beamten auf den afrikanischen Flughäfen wissen Bescheid, aber es liegt nicht in ihrem Interesse, etwas dagegen zu tun", meint der Tierfotograf und Bush-Meat-Aktivist Karl Ammann. Er habe dies selbst auf Flügen der Swissair festgestellt, weil Passagiere mit Kühltaschen ins Flugzeug eingestiegen sind. "Die Fluggesellschaften wollen Passagiere nicht mit solchen Dingen konfrontieren und vor allem peinliche Situationen vermeiden", so Ammann.

Grundnahrung und "exotische Delikatesse"

Bush-Meat ist seit Jahrtausenden eine Nahrungsquelle für die lokale Bevölkerung der ländlichen Gebiete Afrikas. Für Menschen in den industrialisierten Staaten gehört dieses Fleisch allerdings zu den besonders begehrten Delikatessen der Wohlhabenden und Reichen, attestiert Ammann. Brashares hat allerdings auch herausgefunden, dass das Fleisch in erster Linie für Einwanderer bestimmt ist, die so zu sagen "ein bisschen den Geschmack von zu Hause" in der Fremde haben wollen. Nur ein Bruchteil des Fleisches werde an Restaurants verkauft. Der Großteil des gefundenen Fleisches stammte von kleinen Antilopen, Nagetieren, verschiedenen Reptilien aber auch von Vögeln.

Seuchenhygienisches Risiko

Experten warnen immer wieder davor, dass illegale Fleischimporte ein großes Gesundheitsrisiko darstellen, da verschiedene Erkrankungen eingeschleppt werden können. Ammann sagt, dass die Maul- und Klauenseuchenepidemie 2001 in Großbritannien von afrikanischem Bush-Meat verursacht wurde. "In Gabun gab es zahlreiche Ebola-Ausbrüche, die mit dem Verzehr von Primatenfleisch in Verbindung gebracht wurden", so Ammann.

Dadurch, dass diese Märkte illegal sind, werden hygienische Bedingungen meist nicht erfüllt - und das führe dazu, dass Erkrankungen, die von Tieren auf den Menschen übergreifen, immer wieder vorkommen, schlussfolgert auch Brashares. Alle Experten auf diesem Gebiet sind sich einig darüber, dass die Menge an importiertem Bush-Meat in den Westen sehr groß ist. Genaue Zahlenangaben gebe es allerdings nicht, und keiner wage es die Menge zu beziffern.

Verzehr straffrei

"Es ist aber nur ein kleiner Teil der Millionen Tonnen Fleisch, die jährlich in Afrika verkauft werden, der nach Übersee gelangt", so Brashares, der die Importe auf mehrere hundert Tonnen jährlich schätzt. Die Konvention über den internationalen Handel mit gefährdeten Tier- und Pflanzenarten (CITES) soll sicherstellen, dass keine Arten durch den internationalen Handel gefährdet werden. Unter dieser Konvention ist ein Handel über die Grenzen hinweg illegal. "Ich glaube allerdings nicht, dass es Gesetze gibt, die den Verzehr eines solchen Fleisches verbieten. Es ist zwar illegal es in die USA zu bringen, aber der Verzehr ist straffrei", so Brashares. (pte)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der größte Teil des "Bush-Meat" wird in Afrika verkauft und verzehrt - hier auf einem Markt in Abidjan.

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