Klimatisierte U-Bahn: Inbetriebnahme verzögert sich weiter

20. Juli 2006, 19:56
28 Postings

Genehmigungsverfahren dauert bereits zwei Jahre - Verkehrsministerium kritisiert mangelhafte Notfallspläne

Wien – Am Mittwoch, sollten die zehn neuen, vollklimatisierten U-Bahngarnituren mit der Bezeichnung V-Wagen eigentlich auf die Gleise geschickt werden. Nun hat sich das bereits zwei Jahre andauernde Genehmigungsverfahren wiederum verzögert: Wenige Tage vor Ablauf der Einspruchsfrist legte das im Verkehrsministerium angesiedelte Verkehrsarbeitsinspektorat Berufung gegen die Betriebsbewilligung ein, die das Wiener Magistrat bereits Ende Juni erteilt hatte. Es fehle ein Notfallplan, wenn die Züge außerhalb der Station evakuiert werden müssen sowie Daten zu Vibrationen in der Fahrerkabine, begründete ein Sprecher des Verkehrsministeriums die Bedenken.

"Wir sind sehr erstaunt über den Einspruch," bedauerte Wiener-Linien-Sprecher Gerhard Schillinger. Der V-Wagen sei "eines der sichersten Fahrzeuge der Welt" und bei der Übung zur Evakuierung habe alles tadellos funktioniert. Die Einwände des Verkehrsministeriums seien umso unverständlicher, da seit 2001 ein Prototyp des V-Wagens im Wiener Linien-Netz fährt, der nahezu identisch mit den neuen Garnituren sei und über alle notwendigen Genehmigungen verfüge.

"Das Verkehrsarbeitsinspektorat war von Beginn an in das Verfahren eingebunden. Diese Vorgangsweise ist nicht nur unüblich, sondern auch rational nicht nachvollziehbar," kritisierte Wiener Linien-Geschäftsführer Günter Steinbauer. Wenn das Verkehrsministerium den Vorgaben des Inspektorats zustimme, müsse das Verfahren in die zweite Instanz gehen. Dann könnte sich die Inbetriebnahme um Wochen, maximal aber auch um sechs Monate verzögern.

Frustrierende Verzögerung

Die Nord-Verlängerung der U1, auf der die V-Wägen eingesetzt werden sollen, werde dennoch im September eröffnet, wenn nötig mit alten Zügen. Die Verzögerung sei für die Fahrgäste frustrierend, grundsätzlich sei man aber zuversichtlich, die Genehmigung zu erhalten: "Wir kämpfen mit allen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen." (kri, DER STANDARD Printausgabe 20.7.2006)

Share if you care.