Dubiose Gelder, verschwundene Gemälde

19. Juli 2006, 17:28
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Der Prüfbericht der Notenbank zur Causa Bawag enthüllt brisante Details und wirft neue Fragen auf

Wien - Mehr als 600 Millionen Euro gelten bisher als verschollen im Bawag-Krimi. Wohin dieses Geld abgezweigt werden könnte, dem gehen seit Monaten die Fahnder nach.

"Verdichteten Malversationsverdacht" ergab der von Finanzminister Karl-Heinz Grasser am Dienstag ansatzweise zitierte adaptierte Prüfbericht der Notenbank. Es handle sich dabei - wie Auszügen des ergänzten Zwischenberichts zur Bawag zu entnehmen ist, um Transaktionen mit Bonds der Firmen Felixton und Clarence (beides Flöttl-Firmen) und um Swaptions, die zwischen der Bawag International Finance (Dublin) und Refco abgeschlossen worden seien.

Vermögenstransfer

"... 5,6 Millionen Euro flossen von der Bawag an Glenstar, die von der Bawag sofort abgeschrieben worden seien und deren Verwendung durch Glenstar unbekannt sei, geht aus dem Zwischenbericht hervor. Diese Gelder, so halten die Ermittler fest, flossen offenbar nicht an den Investmentbanker Wolfgang Flöttl. Die "Flöttlschen Anleihen" dienten lediglich als Vehikel für einen Vermögenstransfer von der Bawag an die Stiftung Glenstar. Der Verdacht der Veruntreuung sei evident.

Auch das Magazin "News" druckt einige der weiteren Details aus dem ergänzten Zwischenbericht vom Mai 2006 ab. Die Neufassung ist mit Juli datiert.

Elsner-Konten

Zudem veröffentlicht das Magazin in seiner am Donnerstag erscheinenden Ausgabe auch das Ergebnis der Eröffnung der bisher bekannten Elsner-Konten. Demnach seien am Konto der Elsner-Privatstiftung gesamt 2,7 Millionen Euro am Konto der Elsner-Privatstiftung Birdie 65.000 Euro und auf Elsners Privatkonto 25.000 Euro geparkt. Laut Gerichtsbeschluss bestehe gegen den einstigen Bawag-Generaldirektor Helmut Elsner der Verdacht auf "Kickbackzahlungen", schreibt die Illustrierte.

Zwischen Bawag und dem Investmentbanker Wolfgang Flöttl gibt es dem aktuellen Prüfbericht zufolge weitere bisher unbekannte Spekulationsgesschäfte, deren Schaden weitere 38 Millionen Euro betrage.

Zwischen dem Restrukturierungsteam der Bawag und OeNB-Prüfern herrscht dem Magazin zufolge Unklarheit über die tatsächliche Höhe der angefallenen Verluste bis Ende 2004. Das Restrukturierungsteam betitelt die Verluste mit 981 Millionen Euro (Ende 2004). Sie hätten 2000 rund 1,9 Milliarden Euro betragen, seien aber im Laufe der Jahre auf 981 Millionen abgeschrieben worden. - Die OeNB widerspricht dieser Darstellung: Ihrer Berechnung nach betrage der tatsächlich noch übergebliebene Verlust unter Berücksichtigung aller Abschreibungen per Ende 2004 noch immer 1,375 Milliarden Euro. Aber, so die OeNB, die Höhe kann sich noch nach oben verändern.

Verschwundene Flöttl-Gemälde

Das Flöttl-Vermögen sei nicht rekonstruierbar, zitiert "News" weiter aus dem Bericht. Gemälde im Wert von 698 Millionen Dollar seien um 237 Millionen Dollar verkauft worden, aber nur 194 Mio. Dollar seien auf Stiftungskonten gelandet. 53 Bilder seien überhaupt verschwunden. Wohin die Liegenschaftserlöse (254 Mio. Dollar) und der Erlös aus dem Verkauf eines Gulfstream-Jets (30 Millionen) gewandert sind, sei unbekannt. Jedenfalls nicht auf Bawag-Konten, kritisiert die OeNB gemäß Magazin.

Und weiter: Die Bawag sei bis heute in dubiose Netzwerke verstrickt, stellt die OeNB fest. So seien bei einer Briefkastenfirma der Bawag Gelder zweifelhafter Herkunft geortet worden.

An den Unternehmer Martin Schlaff habe die Bawag bisher unbekannte Kredite über 88 Millionen Dollar gewährt, für die eine Million Dollar Provision an Briefkastenfirmen in Liechtenstein geflossen seien.

Abgesehen von den Kosten des Refco-Vergleiches in den USA sei aus dem Refco-Komplex ebenfalls ein gewaltiger Verlust entstanden, stellt die OeNB weiter fest fest. Dessen Höhe müsse erst ermittelt werden. Im Gegensatz zu allen bisherigen Behauptungen sei, sagten die OeNB-Prüfer, beim Refco-Engagement sicher kein Gewinn eingetreten. (APA)

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