AMS-Aktion: AK gegen Wiedereinstieg ohne Perspektive

19. Juli 2006, 13:04
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Kurzfristige Urlaubsvertretungen dienten nur zur statistischen Beschönigung der Wiedereinstiegsproblematik und seien reine Unternehmenssubventionierung

Wien - "Dass sich das Arbeitsmarktservice für Wiedereinsteigerinnen engagiert, wird von den ArbeitnehmerInnenvertretungen positiv bewertet und entspricht einer langjährigen Forderung. Dazu zählt auch die Eröffnung von Beschäftigungsmöglichkeiten im Handel. Die Vermittlung von Wiedereinsteigerinnen als Urlaubsvertretungen im Handel für vier oder fünf Wochen ist jedoch keine ernsthafte Perspektive", so die Reaktion von Renate Csörgits, Vorsitzende des AK-Frauenauschusses und ÖGB-Vizepräsidentin auf die AMS-Aktion, Mitarbeiterinnen in den Handelsketten Billa & Interspar aus öffentlichen Fördergeldern zur Gänze zu bezahlen. Was Wiedereinsteigerinnen viel eher brauchten, sei eine Beschäftigung mit Perspektive. "Der Aufwand, die Kinderbetreuung entsprechend den Erfordernissen des Arbeitsplatzes zu organisieren, bedarf eines gewissen Vorlaufes und steht in keinem Verhältnis zu einem 4 Wochenjob." Kurzfristige Aushilfstätigkeiten, wie sie jetzt vom AMS vermittelt würden, seien für Wiedereinsteigerinnen gerade in den Sommermonaten besonders schwierig, da in dieser Zeit die Probleme bei der Kinderbetreuung wegen der Ferienschließzeiten am größten seien, so Csörgits. "Es wäre unerträglich, wenn Frauen, die im Sommer Probleme mit den Betreuungszeiten haben, auch noch Sanktionen fürchten müssen, wenn sie einen derartigen Job nicht annehmen", meint auch Ingrid Moritz, Leiterin der Abteilung Frauen und Familie in der AK Wien.

Reine Unternehmenssubvention

Die Finanzierung von Urlaubsvertretungen aus AMS-Mitteln ohne eine zu erwartende Perspektive auf eine dauerhafte Beschäftigung sei auch im Sinne eines effizienten Einsatzes knapper Arbeitsmarktgelder problematisch. Es sei nicht nachvollziehbar, was der arbeitsmarktpolitische Effekt einer solchen Vollsubventionierung von Arbeitsplätzen sein solle, die von den Unternehmen ohnehin abgedeckt werden müssten, so die AK-Frauen. Dass das AMS 100 Prozent der Lohnkosten für die Urlaubsvertretungen bei Billa und Spar zahle, sei reine Unternehmenssubventionierung und nicht Arbeitsmarktpolitik. "Diese Aktion dient lediglich der statistische Zielerreichung ohne dass den Wiedereinsteigerinnen geholfen wird", kritisiert Csörgits, "die dafür verwendeten Geldmittel werden dringend für Laufbahnberatung, hochwertige Ausbildungen und Beschäftigung benötigt."

Aus Sicht von AK und ÖGB sollten Eingliederungsbeihilfen bei der Vermittlung von Wiedereinsteigerinnen nur dann als Arbeitsmarktinstrument angewandt werden, wenn mit der Perspektive einer dauerhaften Beschäftigung mit familienfreundlichen Rahmenbedingungen zu rechnen sei. (red)

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