"Genügend Freiraum für Nachwuchstalente"

4. April 2007, 12:36
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Die ADC*E-Nachwuchsbewerbe gingen an Östereich: Felix Fenz und Anna Oberascher über ihre Arbeit, Zukunftspläne und eigenes Engagement

Anna Oberascher und Felix Fenz konnten bereits beim diesjährigen CCA-Wettbewerb punkten, kürzlich wurden sie auch von Art Directors Club of Europe ausgezeichnet. Felix Fenz wurde zum "Young Creative of the Year" gekürt, Anna Oberascher zum "European Student of the Year".

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etat.at Ihre Arbeit gefiel den internationalen ADC*E-Juroren so gut, dass Sie zum "Young Creative of the Year" bzw. zum "European Student of the Year" gewählt wurden. Worum geht's in der Arbeit?

Fenz: Die Arbeit "Bitte nicht!" entstand im Rahmen unserer Kampagne "Reiche, arme Welt" für die Österreichische EU-Plattform entwicklungspolitischer Nichtregierungsorganisationen. Das Popup öffnet sich über der jeweiligen Homepage. Es zeigt einen dunkelhäutigen Mann, der nichts tut, außer den Betrachter ruhig anzuschauen. Erst in dem Moment in dem man versucht ihn einfach wegzuklicken, beginnt der Mann zu sprechen und erläutert die Problematik.

Mit dem Popup hinterfragen wir auf einfache, aber eindringliche Weise, die Einstellung vieler Europäer zu den drängenden Problemen der Menschen aus den so genannten "Entwicklungsländern". Die Probleme in diesen Ländern betreffen auch uns, und es ist keine Lösung, sich ab zu wenden oder die Menschen, die unsere Hilfe benötigen einfach weg zu schicken.

Oberascher: "Schwarzbraille" ist ein Schriftsystem, daß die Blindenschrift für Sehende übersetzt, indem jedes einzelne Braille-Zeichen direkt von einem für uns lesbaren Zeichen überdruckt wird. Das heisst, die Blindenschrift wird für Sehende logisch aufgeschlüsselt, was neben dem Integrationsgedanken große Vorteile im Lernbereich hat. So können sehende Eltern ihren blinden Kindern das Lesen der Brailleschrift beibringen, ohne selbst Braille lesen zu können. Die lesbaren Schriftzeichen sind um Einiges größer, als ein gewöhnlicher Text und daher auch für Sehbehinderte geeignet. Man erspart sich also neben einer Broschüre in Braille auch noch eine Version in Großdruck bereitzustellen.

etat.at: Die ADC*E-Nachwuchsbewerbe gingen nun schon zum zweiten Mal in Folge an Österreich. Haben Sie dafür eine Erklärung?

Fenz: Sicher spielt das kreative Umfeld in dem man arbeitet eine wichtige Rolle. Das kann eine gute Hochschule sein, oder – wie bei mir mit WNP – eine ausgezeichnete Agentur. Wichtig ist dabei vor allem auch, dass Nachwuchstalenten genügend Freiraum zur Entfaltung eingeräumt wird.

Oberascher: Ich kann nur von meiner Ausbildung sprechen, und da denke ich gibt es in den letzten Jahren einen Aufwärtstrend. Natürlich ist auch das eigene Engagement der Studierenden ausschlaggebend.

etat.at: Was bringen Ihnen diese Auszeichnungen, was haben Sie persönlich und beruflich davon?

Fenz: In erster Linie sind die Auszeichnungen natürlich eine schöne Bestätigung. Besonders, wenn Sie wie beim ADC*E zeigen, dass man mit seiner Arbeit auch international vorne mit dabei ist. Außerdem schadet es sicher nicht einig ausgezeichnete Arbeiten im Portfolio zu haben, wenn irgendwann mal ein Agenturwechsel ansteht.

Oberascher: Für mich waren diese Auszeichnungen ein Anstoß das Schwarzbraille-Projekt weiterzuverfolgen und eine Möglichkeit neue Kontakte zu knüpfen. Und ausserdem habe ich jetzt die Chance ein weiteres Studium zu beginnen ... (Anm.: Der ADC*E-Titel "European Student of the Year" ist mit einem Zweijahres-Stipendium an der Miami Ad School dotiert).

etat.at: Was interessiert Sie an Werbung bzw. Grafik-Design, was macht gute Werbung oder Grafik aus?

Fenz: Es gibt wohl kaum ein anderes Berufsfeld, das so vielseitig und abwechslungsreich ist, wie die Werbbranche. Es ist immer wieder spannend und interessant neue Kampagnen zu entwickeln. Außerdem weiß man alles über Dinge, für die man sich im normalen Leben nie interessieren würde – schließlich muss man sich ja ständig über die verschiedenen Produkte und Geschäftsbereiche der verschiedene Kunden informieren.

Gute Werbung ist selbstverständlich kreativ und sollte genauso selbstverständlich das Produkt, die Dienstleistung oder die Anliegen des Kunden an den Mann oder die Frau bringen. Gute Werbung ist charmant und geht nie auf die Nerven – weil Sie unterhält, zum Schmunzeln bringt oder aufrüttelt.

Oberascher: Für mich ist Grafikdesign ein sehr spannendes Betätigungsfeld. Es gibt so viele unterschiedliche Bereiche (von Logoentwicklung bis zur gesamten Werbelinie, von Schriftentwicklung bis zum Ausstellungskonzept), die immer wieder eine neue Herausforderung stellen.

etat.at: Ihre Zukunftspläne?

Fenz: Mehr gute Werbung!

Oberascher: Die werden seit zwei Wochen neu durchdacht ... (red)

Zur Person

Felix Fenz, geb. 1977 in Deutschland, studierte Kommunikationsdesignstudium an der HBKsaar in Saarbrücken und ist seit 2004 als JuniorTexter bei Wien Nord Pilz

Anna Oberascher, geb. 1982, besuchte das Colleg und die Meisterklasse an der Graphischen und absolvierte vor und während der Ausbildung mehrere Praktika, seit einem Jahr ist sie teils angestellt, teils selbständige Grafikdesignerin, Weiterentwicklung des Schwarzrbaille-Projekts

Nachlese

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Zum Thema

"Nummer sicher" bringt "nie was Neues" - Österreichische Nachwuchswerber gewinnen ständig beim europäischen Kreativklub - Interview mit ADC*E-Präsident Johannes Newrkla

  • Felix Fenz, vom ADC*E zum "Young Creative of the Year" gewählt

    Felix Fenz, vom ADC*E zum "Young Creative of the Year" gewählt

  • ADC*E-"European Student of the Year" Anna Oberascher

    ADC*E-"European Student of the Year" Anna Oberascher

  • "Schwarzbraille" von Anna Oberascher

    "Schwarzbraille" von Anna Oberascher

  • "Bitte nicht!" von Felix Fenz
    foto: adc*e

    "Bitte nicht!" von Felix Fenz

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