Neue Mechatronik für die Oper

25. Juli 2006, 19:18
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Der vollautomatische Notenständer hat Premiere - rund 6000 Arbeitsstunden in die Entwicklung gesteckt

"Dieser Finger kann das echt gut", sagt der Pianist Harald Kosik und meint damit den "Noppenfinger" des vollautomatischen Notenständers QiVinci. Das vom Wiener Elektrotechniker Thomas Jakes erfundene Gerät macht Musikern die Konzentration auf das Spiel leichter, denn es blättert für sie um. Harald Kosik: "Ein Pianist braucht immer jemanden, der neben ihm steht oder sitzt und für ihn umblättert, das kann er nun mit dem Gerät selbst machen."

Bedient wird der automatische Notenständer über einen Fußtaster. 2004 wurde die Erfindung beim Genius-Wettbewerb der Gründeragentur RIZ mit dem ersten Preis ausgezeichnet, Preise für Businessplan und Idee folgten. Seit September 2004 fördert die FFG im Rahmen der "Basisprogramme" die weitere Entwicklung des Geräts. Vermarktet wird QiVinci von der Firma Quidenus Technologies, die Erfinder Jakes gemeinsam mit der Wirtschaftsstudentin Sofie Quidenus gründete. Unterstützt werden die Jungunternehmer vom universitären Gründerservce INITS und IP ImpulsProgramm.

Bei den Salzkammergut Festwochen "hat die Nullserie Premiere"freut sich Sofie Quidenus. Dann soll das Produkt in Serie gehen. Am 29. Juli wird die Wiener Akademie Mozarts Singspiel "Zaide", assistiert von QiVinci, in Gmunden aufführen. Dirigent Martin Haselböck: "QiVinci ist bereits auf den ersten Blick so logisch, dass ich mich wundere, warum niemand vorher auf die Idee gekommen ist."Vielleicht, weil niemand den langen Atem von Thomas Jakes hatte - der Techniker hat den Umblättervorgang etwa 80.000 Mal beobachtet und rund 6000 Arbeitsstunden in die Entwicklung des mechatronischen Gerätes gesteckt. Das Ergebnis ist, sagt Jakes, "ein sensationell einfaches Gerät".

Die weltweit zum Patent angemeldete Erfindung funktioniert über einen Chip, der Elektromotoren steuert. Das Gerät stellt sich automatisch auf Blattstärke und -umfang ein. Im Unterschied zu früheren mechanischen Blätterhilfen "völlig lautlos und das ist das Wichtigste", sagt Musiker Kosik.

Das Design orientiert sich an klassischen Notenständern. Individuelle Lösungen sind möglich.

Verwendung findet die Technologie auch in Bibliotheken. QiScan ist nicht nur Umblättergerät, sondern auch Scanner und hilft bei der Digitalisierung von Büchern und Schriften. Die Weiterentwicklung für die Nutzung durch behinderte Menschen (Qicare) wird gemeinsam mit Seibersdorf in Angriff genommen, Ziel ist ein kostengünstiges und mobiles Gerät für Menschen, die nicht manuell umblättern können. (jub/DER STANDARD Printausgabe, 19. Juli 2006)

  • Der Notenständer siegte beim Erfinderwettbewerb 2004.
    foto: standard/quidenus

    Der Notenständer siegte beim Erfinderwettbewerb 2004.

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