Premier Siniora: "Einziger Feind" Israel

20. Juli 2006, 08:19
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Vorwürfe an Staatengemeinschaft "nicht alles zu tun, um Israel an weiteren Angriffen auf den Libanon zu hindern" - Gedenken an tote Soldaten

Beirut - Die libanesische Armee habe "einen einzigen Feind, nämlich Israel", erklärte Ministerpräsident Fouad Siniora während einer Sondersitzung der Regierung am Dienstagabend in Beirut. Der libanesische Ministerrat gedachte im Beisein von Armeechef General Michel Sleimane der "Märtyrer" in den Reihen der Streitkräfte, wie die Beiruter Zeitung "L'Orient-le Jour" in ihrer Internetausgabe berichtete. Bei einem israelischen Bombardement der Militäranlage Jamhour unweit des Präsidentenpalastes von Baabda im Osten Beiruts waren am Dienstag elf libanesische Regierungssoldaten getötet und vierzig weitere verletzt worden. Staatspräsident Emile Lahoud besuchte die Verletzten und die Familien der Toten.

Verteidigungsminister Elias Murr erklärte nach der Kabinettssitzung, derzeit spiele sich der Krieg in der Luft ab, sobald er auf dem Boden geführt werde, "wird die Armee die Ehre haben, zu kämpfen und sich aufzuopfern". Informationsminister Ghazi Aridi unterstrich, dass die Armee den Bombenopfern im Land helfe und gewährleiste, dass ein Sicherheitschaos verhindert werde. Ministerpräsident Siniora hatte am Dienstag erneut einen Hilferuf an die Weltgemeinschaft gerichtet, "um einen sofortigen Waffenstillstand zu erreichen". Israel warf er Massaker an der libanesischen Zivilbevölkerung vor. Die "barbarischen" Angriffe zeigten, dass Israel beschlossen habe, den Libanon in seiner Entwicklung um Jahrzehnte zurückzuwerfen.

Der libanesische Ministerpräsident Fouad Siniora hat der internationalen Staatengemeinschaft am Mittwoch vorgeworfen, "nicht alles zu tun, um Israel an weiteren Angriffen auf den Libanon zu hindern". Israel verstehe diese Haltung als "grünes Licht" für seine Bombardierungen. Es begehe ein "Massaker an libanesischen Zivilisten" und zerstöre "alles, was für das Überleben des Libanon wichtig ist".

"Minimum an nationaler Solidarität"

Der zur Regierungskoalition gehörende Drusenführer Walid Joumblatt, Chef der Sozialistischen Fortschrittspartei, beschuldigte neuerlich Syrien und den Iran, in der gegenwärtigen Krise die Fäden zu ziehen, um von ihren eigenen Problemen abzulenken, und sprach dem Hisbollah-Führer Scheich Hassan Nasrallah das Recht ab, eigenmächtig über einen Krieg zu entscheiden. Jetzt sei ein "Minimum an nationaler Solidarität" lebenswichtig. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sei es allerdings unmöglich, darüber zu diskutieren, "ob die Hisbollah einen Fehler gemacht hat", sagte Joumblatt in einem Fernsehinterview. Er betonte zugleich, dass der Staat seine Autorität über das ganze Staatsgebiet ausdehnen und die "internationalen Resolutionen umsetzen" müsse.

Der Chef der Demokratischen Linken, Elias Atallah, beschuldigte die Hisbollah, mit ihren gegen Israel gerichteten Provokationen den "nationalen Konsens" im Libanon zu brechen, um sich selbst zu "glorifizieren". Die Schiitenmiliz mache dem Staat sein Gewaltmonopol streitig und nehme das Volk zur Geisel, sagte der zur Regierungsmehrheit gehörende Politiker. (APA)

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