Aufruf zur Unterstützung des Tiroler Frauenhauses

20. Juli 2006, 14:36
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Unabhängiges Personenkomitee wehrt sich gegen die beabsichtigte Schließung

Innsbruck - Das Autonome Tiroler Frauenhaus ist in seiner Existenz bedroht. Seine Mitarbeiterinnen versuchen alles, um den Erhalt der Struktur in der derzeitigen Form zu sichern.

Vor wenigen Tagen hat sich ein Unabhängiges Personenkomitee zur Unterstützung gegründet. Das "Personenkomitee zum Erhalt des Autonomen Tiroler Frauenhauses" möchte alles, was in seiner Macht steht, tun gegen die willfährige Bedrohung eines seit 25 Jahren bestehenden, in seiner Arbeit weithin anerkannten und unabhängigen Frauenprojekts: der Opferschutzeinrichtung "Tiroler Frauenhaus".

Breite Öffentlichkeit herstellen

Ziel ist, in kürzester Zeit hunderte Unterschriften für diesen Aufruf zu bekommen und diesen mitsamt den Unterschriften zu veröffentlichen, ihn an Medien und PolitikerInnen zu senden, vielleicht in Zeitungen zu schalten oder auf anderem Wege zu verbreitern, um eine breite Öffentlichkeit herzustellen und den Druck auf die EntscheidungsträgerInnen zu erhöhen.

Unterstützung

Wenn Sie die Aktion unterstützen möchten, schicken Sie bis Freitag, den 21.07., ein E-Mail mit ihrem Namen, Ihrem Wohnort und Ihrer Berufsbezeichnung an folgende Adresse:

Archfem
oder
AEP

Zum Aufruf im Wortlaut >>>

Nach derzeitigem Stand der Dinge und nach allen bisher abgeschlossenen Verhandlungen kann das Tiroler Frauenhaus für misshandelte Frauen und Kinder nur mehr bis Oktober 2006 Miete, Gehälter und Sachkosten bezahlen. Von PolitikerInnenseite wird damit signalisiert, dass es in Tirol ab Oktober diesen Jahres kein autonomes Frauenhaus mehr geben soll.

Das Tiroler Frauenhaus ist eine vorbildlich funktionierende Fraueneinrichtung mit hohen Qualitätsstandards. Das Haus hat weder ein Organisations- noch ein Strukturproblem zu lösen, sondern ausschließlich eine Finanznotlage zu bewältigen, verursacht durch die öffentliche Hand und die politisch Verantwortlichen. Die Lösung ist einfach und liegt auf der Hand: eine ausreichende Finanzierung des Frauenhauses zur Aufrechterhaltung der seit 25 Jahren bewährten Struktur.

Stattdessen wird nun von politischer Seite eine Diskussion eröffnet und vorbereitet, die darauf abzielt, die bestehende unabhängige Struktur abzuschaffen und somit den einzigen echten Schutzraum für von Gewalt betroffene Frauen und Kinder in Tirol zu vernichten und durch eine noch ungewisse Organisationsstruktur des Landes, der Stadt oder eines anderen, noch zu erfindenden dritten Trägers zu ersetzen.

Das Tiroler Frauenhaus ist vor 25 Jahren aus dem Engagement frauenbewegter Frauen entstanden, hat sich im Laufe der Zeit kontinuierlich weiterentwickelt und verfügt mittlerweile über ein unersetzbares Wissen und über anerkannte fachliche Kompetenz. Beides hat sich in jahrelanger Auseinandersetzung mit den Bedürfnissen der von Gewalt betroffenen Frauen und Kinder herausgebildet. Eine solche Struktur abzuschaffen ist unverantwortlich: in erster Linie im Hinblick auf die betroffenen Frauen und Kinder, aber auch hinsichtlich der Auswirkungen auf die politische Kultur dieses Landes und das unnachgiebige, frauenpolitische Engagement, welches Gewaltschutz und Gewaltprävention unverzichtbar erfordern.

Qualitätvolle Arbeit für von Gewalt betroffene Frauen und Kinder beruht auf Engagement, Erfahrung, Wissen und Kompetenz und darf nicht von Parteipolitik, politischen Mehrheitsverhältnissen oder Verwaltungs-erfordernissen abhängig sein.

Um Frauen und Kindern den Schutzraum bieten zu können, den sie brauchen, ist eine autonome Struktur unabdingbare Voraussetzung: Sie war es vor 25 Jahren, und sie ist es heute noch! In Europa, in Österreich und in Tirol war es das Verdienst der Autonomen Frauenbewegungen, die Problematik der Gewalt gegen Frauen ins öffentliche Bewusstsein gerückt zu haben. Überall dort, wo Frauenhäuser entstanden sind, wurden sie von Frauengruppen in langwierigen Auseinandersetzungen mit PolitikerInnen, Verwaltungen und Teilen der Öffentlichkeit, welche die Fakten beharrlich leugneten, initiiert, getragen und weiterentwickelt. Überall, wo sie heute noch existieren, sind sie weitgehend autonom strukturiert, an verbindliche Frauenhaus-Standards gebunden (für Österreich in den AÖF-Richtlinien festgelegt) und von öffentlicher Seite finanziert.

In Anbetracht der seit vier Jahren laufend gekürzten Finanzierung des Hauses und der seit Juli feststehenden Absage an eine Restfinanzierung für das laufende Jahr besteht begründeter Anlass anzunehmen, dass es den politisch Verantwortlichen um allerlei anderes, nicht aber um die von Gewalt betroffenen Frauen und Kinder gehen kann.

Anstatt darüber nachzudenken, wie die bestehende Struktur, fachliche Kompetenz und Arbeit des Frauenhauses langfristig und nachhaltig abgesichert werden kann, wird unerwartet und grundlos ein neuer Tatbestand geschaffen: die öffentliche Trägerschaft. Wozu?

Die Unterzeichnerinnen schließen sich mit Nachdruck den Forderungen des Tiroler Frauenhauses an:

  • ausreichende Finanzierung des Tiroler Frauenhauses für das laufende Jahr 2006
  • Erhalt der Autonomie und politischen Unabhängigkeit
  • Bestandsgarantie in Form einer ausreichenden Sockelfinanzierung entsprechend den Qualitätsstandards der Österreichischen Frauenhäuser, abgesichert durch Mehrjahresverträge

    Unabhängiges Personenkomitee zum Erhalt des Autonomen Tiroler Frauenhauses, A-6020 Innsbruck, Müllerstraße 26
    (red)

  • Link

    AEP-Frauenbibliothek, Müllerstrasse 26, A-6020 Innsbruck

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