Starthilfe für lokale Player

25. Juli 2006, 19:18
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Leopold Pilsner, Geschäftsführer der Wirtschaftsinitiativen Leoben, im Interview über die Zukunft der Branchen und über grüne Wiesen

Leopold Pilsner ist Geschäftsführer der Wirtschaftsinitiativen Leoben (WIL), einer steirischen Betriebsansiedlungsfirma, die sich auch um Technologieproduzenten kümmert. Marijana Miljkovicsprach mit ihm über die Zukunft der Branchen und über grüne Wiesen.

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STANDARD: Der Leiterplattenhersteller AT&S, eine der erfolgreichsten Firmen, die in Leoben angesiedelt sind, verlagert die Produktion immer mehr nach China und Indien. Wie kann man eine solche Firma am Standort halten?

Pilsner: Hier zitiere ich Harald Sommerer (AT&S Vorstandsvorsitzender, Anm), der gesagt hat, dass durch die zusätzlichen Produktionsstätten in Indien und China einerseits der Standort Leoben abgesichert ist und andererseits dadurch die AT&S unter die größten Global-Player in der Leiterplattenindustrie aufsteigen konnte. Verlagert wird nichts, im Gegenteil, der Standort Leoben wächst und die Forschung und Entwicklung von komplexen und innovativen Produktentwicklungen finden in Leoben statt.

Standard: Worin besteht der Erfolg in der Betriebsansiedlung in der Stadt Leoben?

Pilsner: Wir gehen bei der WIL sehr weit in die Projektentwicklungen hinein. Wir überlassen das nicht dem Zufall und sagen: 'Wir hätten eine grüne Wiese auf der sich Firmen ansiedeln können', das machen rund 6000 Regionen in ganz Europa, sondern wir gehen auch in das Investment hinein. Wir kreieren Themenschwerpunkte, entwickeln von den Visionen zukunftsorientierte Chancenprofile, errichten dazu Projekt- sowie Businesspläne, suchen uns dann private Investoren und gründen entsprechende PPP-Modelle, Private Public Partnership für die Umsetzung. Bereits vor der Errichtung von Objekten übernehmen wir auch deren Vermittlung und nach der Eröffnung auch deren Betrieb und die Verwaltung. Wir haben uns auf Projektentwicklungen sowie auf das Management von Impulszentren spezialisiert, denn wir sind der Überzeugung: Wenn der Jungunternehmer, die neu gegründeten Betriebe, oder die neuen Firmenniederlassungen neu beginnen, dann sind sie erfolgreicher, wenn sie von Anfang an eine professionelle Begleitung haben.

Standard: Worin besteht diese Begleitung?

Pilsner: Unter professioneller Begleitung verstehe ich die Beratung bei der Unternehmensgründung, die Unterstützung bei der Grundstücks- und Standortsuche, Hilfestellung bei Behördenwegen, Mitwirkung bei der Erstellung der Businesspläne sowie Finanzierungskonzepte, das Betreuen während der Startphase und in den ersten Jahren, das Einführen in die Wirtschaftsszene von Leoben, in die Technologieregion "AREA m styria"und den Wirtschaftsraum Obersteiermark, die Kontaktherstellung zu den großen Industriebetrieben, zu den Global Playern unserer Region sowie die Vernetzung mit interessanten Kooperationspartnern.

Standard: Wird darauf geachtet, dass die Firmen zusammenpassen?

Pilsner: Ja, wir wollen keinen Forschungsbetrieb neben dem Hundesalon Fiffi haben. Also in die Industrieparks keine Tankstelle hinein und keine Waschanlage. Der Wirtschaftspark Leoben West ist reserviert für Unternehmen aus Produktion, Innovation, High Tech sowie F&E mit den erwähnten Schwerpunkten der Metalle, Kunst- und Verbundstoffe, Beschichtungstechnologien sowie Elektronik und Holz. Anfang Mai 2006 konnten wir ein neues Gewerbezentrum im Wirtschaftspark von Leoben eröffnen, in dem zehn Firmen neu arbeiten, und weitere Ausbaustufen sind zu erwarten. Bei der Autobahnabfahrt Leoben Ost siedeln wir seit Jahren verstärkt die Logistikunternehmen an, wodurch Schritt für Schritt ein Logistikpark entsteht, bei dem wir bereits über mehrere Ausbaustufen verfügen. In der Innenstadt haben wir im Februar 2006 ein neues Dienstleistungszentrum eröffnet, das unter anderem die Europazentrale des Sandvik-Konzerns beheimatet.

Standard: Wohin entwickelt sich der Standort Leoben?

Pilsner: Die gesamte Forschungs- und Entwicklungs-Szene ist ein sehr wichtiger Punkt. Gerade bei den Werkstofftechnologien wird in Zukunft noch sehr viel kommen. Werkstofforientierter Maschinenbau wird ein Thema der Zukunft werden. Ich gehe aber natürlich auch davon aus, dass zum Beispiel der Schwerpunkt, den wir mit Logisitik gesetzt haben, an Stellenwert gewinnen wird, weil auch die Zukunft der Kostenoptimierung in der Logistik liegt. Die Einsparungspotentiale und die Wettbewerbsvorteile bei den Prozessen entlang der gesamten Wertschöpfungskette, werden in Zukunft große Potentiale schaffen.

Standard: Kann man denn schon etwas von all dem "sehen"?

Pilsner: Ja, wir haben seit 2002 eine Logistik-HTL, die es österreichweit nur in Leoben gibt und an der Montan-Uni Leoben einen eigenen neuen Lehrstuhl für Industrielogistik. Kommendes Jahr 2007 gibt es bereits die ersten Maturanten und Akademiker für Logistik. Das haben wir vor sieben Jahren initiiert und in Abstimmung mit der Industrie neue Lehrpläne geschrieben. All das führte auch dazu, dass wir in der Innenstadt Studentenheime errichtet haben. Durch die angesiedelten Forschungszentren, die sich hier befinden, entsteht ein richtiger Campus. (DER STANDARD Printausgabe, 19. Juli 2006)

  • Leopold Pilsner (41) wurde in Vöcklabruck in Oberösterreich geboren. Er maturierte an der HTBLA in Maschinenbau und Betriebstechnik und begann neben seinem Job in der strategischen Unternehmensplanung bei der Lenzing AG ein BWL-Studium an der Johannes-Kepler-Universität in Linz. Beenden konnte er dieses Studium nicht, denn vor mittlerweile dreizehn Jahren wurde er als Geschäftsführer der Wirtschaftsinitiativen Leoben GmbH bestellt und übersiedelte mit der gesamten Familie nach Leoben. Für sein Hobby, den Tanzsport, hat der Vater dreier Kinder schon lange keine Zeit mehr. (mil)
    foto: standard/wirtschaftinitiativen leoben gmbh

    Leopold Pilsner (41) wurde in Vöcklabruck in Oberösterreich geboren. Er maturierte an der HTBLA in Maschinenbau und Betriebstechnik und begann neben seinem Job in der strategischen Unternehmensplanung bei der Lenzing AG ein BWL-Studium an der Johannes-Kepler-Universität in Linz. Beenden konnte er dieses Studium nicht, denn vor mittlerweile dreizehn Jahren wurde er als Geschäftsführer der Wirtschaftsinitiativen Leoben GmbH bestellt und übersiedelte mit der gesamten Familie nach Leoben. Für sein Hobby, den Tanzsport, hat der Vater dreier Kinder schon lange keine Zeit mehr. (mil)

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