Israelische Bodentruppen im Libanon

20. Juli 2006, 07:23
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Israel beschließt unbefristete Fortsetzung der Angriffe - Libanesische Regierung beklagt hohe Verluste in Zivilbevölkerung - Hisbollah beschießt Haifa und Nazareth: Drei Israelis getötet

Beirut - Den kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Israel und der schiitischen Terror-Miliz Hisbollah fallen immer mehr Zivilisten zum Opfer. Der libanesische Ministerpräsident Fouad Siniora erklärte am Mittwoch, schon etwa 300 Menschen seien getötet und 1.000 verletzt worden, rund 500.000 seien aus ihren Wohnungen und Häusern geflohen. Die Bombenangriffe hätten zudem einen unvorstellbaren Schaden an der Infrastruktur seines Landes angerichtet. Israel gab die Zahl seiner Toten mit 29 an.

Libanon: "Hohe Verluste in Zivilbevölkerung

Bei den schwersten Luftangriffen Israels auf den Libanon seit Kriegsbeginn vor acht Tagen wurden am Mittwoch 58 Menschen getötet. Bis auf einen Kämpfer der radikal-islamischen Hisbollah-Miliz handelte es sich bei allen Todesopfern um Zivilisten.

Sinioras Angaben über Opfer und Schäden waren die ersten von Seiten seiner Regierung seit Beginn der Angriffe am 12. Juli. Israel reagierte damit auf einen Überfall der schiitischen Hisbollah-Miliz, bei dem zwei israelische Soldaten verschleppt und acht weitere getötet wurden. Trotz internationaler Mahnungen zur Zurückhaltung setzte Israel seine Luftangriffe mit unverminderter Härte fort. Im Südlibanon suchten israelische Truppen nach Tunneln und Waffenverstecken der Hisbollah-Miliz und wurden dabei in heftige Gefechte verwickelt. Dennoch gelang es den schiitischen Kämpfern, mehr als 100 Raketen auf Nordisrael abzufeuern.

Hisbollah beschießt Haifa und Nazareth: Zwei Kinder getötet

In Nazareth an der südwestlichen Grenze zum Libanon wurden nach Polizeiangaben zwei spielende Kinder von einer Rakete getötet. Die Brüder waren drei und neun Jahre alt. Auch in Haifa schlugen mindestens acht Raketen ein. Nach Angaben der Hisbollah wurden bei einem Gefecht nahe der südlibanesischen Küstenstadt Nakura zwei israelische Soldaten getötet und drei verwundet. Auch einer ihrer Kämpfer sei getötet worden.

Recht auf Selbstverteidigung

Nach einem Treffen mit der israelischen Außenministerin Tzipi Livni sagte EU-Chefdiplomat Javier Solana am Mittwoch in Jerusalem, das seit einer Woche andauernde Blutvergießen könne die libanesische Regierung schwächen und einen Sieg im Kampf gegen den Terror erschweren. Solana forderte die schiitische Hisbollah-Miliz zur sofortigen Freilassung der verschleppten israelischen Soldaten auf.

Siniora kritisierte die Reaktion der internationalen Gemeinschaft, Israels Vorgehen als Selbstverteidigung zu bezeichnen. "Ist es das, was die internationale Gemeinschaft das Recht auf Selbstverteidigung nennt?" fragte er. "Wir werden nichts unversucht lassen, um Entschädigung von Israel zu bekommen."

Razzien in den Autonomiegebieten

In den Autonomiegebieten wurden bei israelischen Razzien mindestens zehn Palästinenser getötet, wie Behördensprecher mitteilten. Israel begann seine Offensive im Gazastreifen am 28. Juni - drei Tage, nachdem bei einem palästinensischen Angriff ein israelischer Soldat entführt und zwei weitere getötet worden waren.(APA/

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    Israelische Panzer auf dem Weg die Südgrenze zum Libanon zu überqueren.

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