Rapid: Die Pflicht, zu beißen

20. Juli 2006, 14:42
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Hütteldorfer möchten sich bei den Fans auf attraktive Art entschuldigen

Wien - Rein theoretisch hat sich Rapid gefunden. Der an Bescheidenheit kaum zu überbietende fünfte Platz aus der Vorsaison wurde aus den Köpfen gnadenlos gestrichen. Dazu bedurfte es keiner psychologischen Behandlungen, Trainer Georg Zellhofer pfiff auf eines dieser Teambuilding-Seminare, auch den Gang über glühende Briketts hat er sich und den Kickern erspart. "Zur Motivation muss der grünweiße Dress reichen."

Zellhofer sprach den Tag der offenen Tür an, am vergangenen Sonntag kamen zu diesem Feste rund 7000 Fans ins St. Hanappi. "Nur, um uns zu sehen. Wenn man in die Gesichter schaut und die Leute singen hört, weiß man, dass man Verantwortung trägt. Du hast die Pflicht zu beißen, zu kämpfen, an die Grenzen oder sogar drüber zu gehen. Wer das nicht erkennt, ist fehl am Platz. Wir stehen in ihrer Schuld, dürfen sie nicht ein zweites Mal enttäuschen."Es wurden bereits mehr als 6000 Abos abgesetzt, so viele wie in der Meistersaison 2004/05.

Rapid hat investiert. In eine Rasenheizung und auch in eine neue Wiese. Das Feld misst nun 105 mal 68 Meter (statt 102,4 mal 65), im St. Hanappi dürfen ab sofort internationale Partien abgewickelt werden. Dummerweise hat Rapid die Qualifikation für den Europacup verpasst, das soll nimmer passieren, Platz drei lautet das minimale Ziel.

Das Kipferl

Die Vergrößerung hat so ihre Tücken, manche Flanken, sagt Zellhofer, fallen "wie die Kipferln runter. Aber den Schaden werden wir schon noch beheben."Ganz spurlos sind die ersten Monate am Trainer auch nicht vorbei gezogen. "Ich musste mich ein wenig ändern, ging mehr auf die unzufriedenen Spieler zu. Ich denke, jetzt sind wir eine Einheit geworden."

Rapid war am Transfermarkt durchaus aktiv. Gegangen sind Axel Lawaree, Sebastian Martinez und Muhammet Akagündüz, geholt wurden Mario Sara, Petr Vorisek, Mate Bilic, Erwin Hoffer, Christian Thonhofer und Gernot Plassnegger. Wobei es sich bei den beiden Letztgenannten spießt, das Protestkomitee der Bundesliga erklärte die Wechsel für nicht rechtens. Plassnegger hätte den GAK nicht verlassen dürfen, und für Thonhofer muss an die Admira eine Ausbildungsentschädigung gezahlt werden. Diese 160.000 Euro wird Rapid blechen. Manager Werner Kuhn ist über die Urteile ziemlich erzürnt: "Da fahren die Klubs übermotorisiert, sie zahlen keine Gehälter, zittern um die Lizenz. Man kann sich nur wundern."

Ob Rapid stärker geworden ist, weiß Sportdirektor Peter Schöttel "in ein paar Wochen. Jedenfalls haben wir uns verjüngt."Der größte Coup steht noch aus, es wird an der Rückkehr von Steffen Hofmann gebastelt. Zellhofer: "Wenn er anklopft, mache ich auf."Die Wiedergutmachung beginnt am Mittwoch in Mattersburg. Kapitän Helge Payer erwartet "einen heißen Tanz. Attraktiv wird man nur durch Siege." (Christian Hackl - DER STANDARD PRINTAUSGABE 19.7. 2006)

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