15. Etappe: Schleck ist Meister der 21 Kehren

4. Juli 2007, 15:22
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Luxembuger schüttelte auf den entscheidenden Metern in L'Alpe Huez Cunego ab - Landis in Gelb - Totschnig verlor über fünf Minuten

L'Alpe d'Huez - Den halben Tag lang radelten sie auf die 21 Kehren des Teufels zu, den gefürchteten Schlussanstieg zum Etappenziel in L'Alpe d'Huez, auf dem Weg bezwangen sie unter anderen den 2361 m hohen Izoard-Pass. Ein paar Kilometer vor der 1850 m hohen Bergankunft ließ der Luxemburger Frank Schleck vom dänischen CSC-Team den bis dahin ebenso hoffnungsfrohen Italiener Damiano Cunego stehen und strampelte zu seinem ersten Etappensieg. Cunego kam elf Sekunden später an, als Dritter trudelte dessen Landsmann Stefano Garzelli ein, der die Bergwertung am Izoard gewonnen hatte. Der US-Amerikaner Floyd Landis von Phonak holte sich als Tagesvierter das gelbe Trikot vom Spanier Oscar Pereiro zurück. Der Tiroler Georg Totschnig verlor auf der ersten Alpenetappe als 34. mehr als fünf Minuten und fiel in der Gesamtwertung vom 17. auf den 20. Rang zurück.

Der Mythos L'Alpe d'Huez hatte wie bei den vergangenen Tour-Besuchen Hunderttausende Radsport-Fans an den 13,8 km langen Anstieg und die 21 "Kehren des Teufels" gelockt. Die Zuschauer, unter ihnen auch die Rodel-Olympiasieger Andreas und Wolfgang Linger, sahen packende Duelle. Cunego hatte bald nach Beginn der Schlusssteigung die große Spitzengruppe gesprengt, ließ mehrere Attacken folgen und fand sich fünf Kilometer vor dem Ziel mit Schleck alleine an der Spitze.

Im Finale hatte Tour-Debütant Schleck allerdings die besseren Beine, die letzten 2.000 Meter fuhr er solo ins Ziel. "Das ist phantastisch, aber ich brauche noch Zeit, um das zu realisieren", erklärte der Klassiker-Spezialist, der im dänischen Team CSC von Ex-Toursieger Bjarne Riis erst zu seiner Stärke gefunden hatte.

Landis abgeklärt

Landis übernahm wieder die Führung, die er zwei Etappen zuvor freiwillig an Pereiro abgetreten hatte. Er gab sich im Anstieg ins 1.850 m hoch gelegene L'Alpe d'Huez keine Blöße und kontrollierte seine Rivalen, nachdem Pereiro bald distanziert war. Als Andreas Köden sechs Kilometer vor dem Ziel attackierte, kam nur noch Landis mit, Carlos Sastre (CSC/9.) und Levi Leipheimer (GST/10.) büßten 25 bzw. 39 Sekunden auf ihn ein.

"Am vergangenen Samstag wollte ich nicht die Kräfte meines Teams für die folgenden Tage vergeuden. Aber jetzt wollen wir das Gelbe Trikot behalten. Ich sehe keinen Grund, warum wir es noch einmal hergeben sollten", erklärte der 30-Jährige. Pyrenäen-Sieger Denis Mentschow liegt nach Rang elf (+2:21) nun als Vierter 2:12 Minuten hinter Landis, gleich danach folgen Sastre (2:17), Klöden (2:29) und Cadel Evans (AUS/7./2:56). Totschnigs Gerolsteiner Kollege Leipheimer verbesserte sich auf Rang neun (6:18).

Georg Totschnig vermochte seine hoch gesteckten Ziele nicht umzusetzen. Er büßte noch mehr Zeit ein als in der großen Pyrenäen-Etappe und fiel in der Gesamtwertung auf den 20. Rang zurück, 10:53 Minuten hinter Landis. "Heute ist einfach nicht mehr gegangen, ich habe nicht mehr draufgehabt", meinte Totschnig. "Das war nicht mein Tag." Er hatte sich über den Col d'Izoard (2.360 m) gut gefühlt, doch als über den Col du Lautaret (2.058 m) das Tempo immer höher wurde, bekam er Probleme.

Als es in Bourg d'Oisans in die bis 14 Prozent steile Schlusssteigung ging, befand sich der Etappensieger des Vorjahres aber wieder in einer guten Position. "Anfangs lief es gut, aber dann habe ich den Anschluss verpasst und mich noch zu einer Gruppe gekämpft. Aber ganz voll war das nicht mehr", sagte der 35-Jährige zu seiner Fahrt durch das Zuschauer-Spalier.

Totschnig "sehr enttäuscht"

Die Gesamtwertung lässt Totschnig nun aus den Augen ("Da reiße ich keine Bäume mehr aus"), ihm bleiben die Chancen in der Königsetappe am Mittwoch über drei Pässe zur Bergankunft in La Toussuire und am Donnerstag nach Morzine. Angesichts des bisherigen Abschneidens war seine Hoffnung auf eine erfolgreiche Attacke in der ersten Enttäuschung aber gering. "So wie die Form derzeit ist, brauche ich nicht viel zu probieren. Heute war das eher der Wille als die Beine. Ich bin jetzt sehr enttäuscht."

Bernhard Eisel hatte sich als Mitglied der Spitzengruppe die erste Sprintwertung in Embrun gesichert und kam mit einer großen Gruppe mit 30 Minuten Rückstand ins Ziel. Weltmeister Tom Boonen (BEL) beendete die Tour hingegen vorzeitig. "Damit habe ich einen Konkurrenen weniger im Sprint in Paris. Das ist mein großes Ziel", meinte der Steirer, der in der Sprintwertung Rang sechs einnimmt.

Das Dach

Fünf Tage vor dem Finale auf den Champs-Elysees in Paris steht am Mittwoch eine weitere schwere Prüfung an. Die 182 km lange Achterbahnfahrt von der Blumenstadt Bourg d'Oisans durch die Haute-Alpes nach Savoyen ins Wintersport-Mekka La Toussuire führt über zwei Gipfel der höchsten und einen der zweiten Kategorie bis zur Bergankunft auf dem Alpen-Hochplateau.

Direkt nach dem Start im ehemaligen Seidenweberdorf im Ecrine-Massiv am Tor zu Frankreichs größtem Nationalpark beginnt der 43 km lange Aufstieg zum Col du Galibier, dem mit 2646 m hohen Dach der diesjährigen Tour. Maximal zehn Prozent Steigung warten auf die Fahrer, die nach dem Gipfelsturm auf der 58 km langen Abfahrt zur Sprintprüfung in Saint-Etienne-de-Cuines noch den von dieser Seite vergleichsweise harmlosen Col de Telegraph (1566 m) passieren. (red/APA)

Ergebnis 15. Etappe, Gap - L'Alpe de Huez (187 km): 1. Frank Schleck (LUX/Team CSC) 4:52:22 Stunden (Schnitt: 38,376 km/h) - 2. Damiano Cunego (ITA/Lampre-Fondital) +0:11 Min. - 3. Stefano Garzelli (ITA/Liquigas-Bianchi) 1:10 - 4. Floyd Landis (USA/Phonak) - 5. Andreas Klöden (GER/T-Mobile Team) alle gleiche Zeit - 6. Ruben Lobato (ESP/Saunier Duval-Prodir) 1:14 - 7. Sylvain Chavanel (FRA/Cofidis) 1:18 - 8. Eddy Mazzoleni (ITA/T-Mobile Team) 1:28 - 9. Carlos Sastre (ESP/Team CSC) 1:35 - 10. Levi Leipheimer (USA/Gerolsteiner) 1:49.

Weiter: 14. Oscar Pereiro (ESP/Caisse d'Epargne) 2:49 - 34. Georg Totschnig (AUT/Gerolsteiner) 5:16 - Weiter: 103. Bernhard Eisel (AUT/Francaise Des Jeux) 30:14 - 133. Peter Wrolich (AUT/Gerolsteiner) 34:11

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    Die Sieges-Grimasse.

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    Feinabstimmung: Die Rennmaschine von David de la Fuente wird in vollem Lauf behandelt.

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