Sat-Navigationssystem Galileo von US-Forschern geknackt

2. August 2006, 10:38
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EU: "Lediglich Testbetrieb, kommerzielle Version wird sicher sein"

US-Forschern der Cornell University ist es gelungen, den Code des Satellitennavigationssystems Galileo zu knacken. Mit einer halbkugelförmigen Antenne auf einem Dach und einem Receiver fingen die Forscher den Code des Satelliten Giove-A (Galileo In-Orbit Validation Element-A) ab und konnten ihn entschlüsseln. Die EU-Kommission beschwichtigte umgehend. "Bei Giove-A handelt es sich um einen Testsatelliten. Der Code wurde nicht veröffentlicht, da er nicht für kommerzielle Zwecke gedacht war. Der Code war zudem nicht geheim, wodurch es keine große Leistung war, ihn zu knacken", so ein Sprecher der Kommission.

Zentral

Dennoch nehmen die Wissenschaftler für sich in Anspruch, ein elementares Stück des Systems geknackt zu haben, berichtet das Branchenportal Cnet. Mit Hilfe von pseudozufälligen Nummern sei es ihnen gelungen, sich freien Zugang zum europäischen Navigationsprojekt zu verschaffen. Damit bekämen Endverbraucher kostenlosen Zugang zum Satellitensystem.

Hack

Die Wissenschaftler gaben zu bedenken, dass mit dem Code-Hack die kommerziellen Anwendungen von Galileo-Lösungen gefährdet seien. Die Sicherheitsstrategie der EU-Kommission habe ihnen zufolge nur darin bestanden, den Code geheim zu halten, anstatt ihn zusätzlich zu verschlüsseln. Mit der Veröffentlichung sei jetzt die Hauptintention, die Weitervermietung des Codes an Serviceprovider für eigene Angebote, hinfällig. Die Offenlegung würde nun jedem Anwender die direkte Nutzung des Satelliten erlauben, sobald Dienste aufgesetzt seien. "Es ist lediglich der Code des Prototypen. In der kommerziellen Version wird ein anderer eingesetzt", kommentierte der EU-Sprecher die Arbeit der Forscher.

Launch

Das europäische Satellitennavigationssystem Galileo soll 2010 in Betrieb genommen werden. Es basiert auf 30 Satelliten, die in einer Höhe von etwa 23.000 Kilometern die Erde umkreisen. Galileo ist für zivile Zwecke konzipiert und unterliegt nicht, wie GPS und das russische GLONASS, einer nationalen militärischen Kontrolle. Im Gegensatz zum US-amerikanischen GPS-System, das durch Steuergelder und Finanzmittel des Militärs entwickelt wurde, soll sich Galileo über Nutzungsentgelte finanzieren.

Kostenlos

Galileo wird im Einsatz mehrere Dienste bieten. Das Open Service soll jedermann kostenlos zur Verfügung stehen. Es ermöglicht die Positionsbestimmung und liefert eine exakte Uhrzeit von einer Atomuhr. Durch die Nutzung von zwei Sendefrequenzen können Ionosphärenstörungen korrigiert werden, wodurch die Positionierung genauer ausfällt als mit GPS. Zudem wird auf 27 aktive Satelliten (drei sind in Reserve) zurückgegriffen. GPS hat 24 Satelliten im Einsatz. Daneben werden kostenpflichtige Dienste wie der Commercial Service mit noch genaueren Positionsdaten, der Safety-of-Life-Dienst für sicherheitskritische Bereiche wie Luft- und dem Schienenverkehr sowie der staatliche Dienst für Polizei und Geheimdienste und der Service für Such- und Rettungsdienste angeboten. (pte)

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