Schwere Vorwürfe gegen indonesische Regierung

19. Juli 2006, 09:40
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Warnungen nicht weitergegeben

Einen Tag nach dem Seebeben vor der Insel Java sind am Dienstag schwere Vorwürfe gegen die indonesische Regierung laut geworden. Sie habe zwei Tsunami-Warnungen erhalten, aber nicht weitergegeben, sagte Forschungsminister Kusmayanto Kadiman. Mindestens 341 Menschen wurden durch die zwei Meter hohe Flutwelle am Montag in den Tod gerissen, weitere 229 wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums noch vermisst. Noch immer würden in den Trümmern von Häusern Leichen geborgen, sagte Polizeichef Syamsuddin Janieb.

Warnung 45 Minuten vor tödlicher Welle

Sowohl vom Pazifischen Zentrum für Tsunami-Warnung als auch vom Japanischen Wetterdienst seien 45 Minuten vor der tödlichen Welle Warnungen eingegangen, dass das Seebeben einen Tsunami auslösen könnte, sagte Forschungsminister Kadiman. Aber "wir haben sie nicht veröffentlicht". Allerdings gibt es auch eineinhalb Jahre nach der Tsunami-Katastrophe von Weihnachten 2004 noch kein professionelles Frühwarnsystem.

"Eine Art natürliches Frühwarnsystem"

Vizepräsident Jusuf Kalla erklärte auf eine Frage von Journalisten, eine Warnung der Bevölkerung wäre überflüssig gewesen, weil viele Menschen nach dem Beben der Stärke 7,7 ohnehin aus Angst ins Landesinnere geflüchtet seien. Es habe daher "eine Art natürliches Frühwarnsystem" gegeben. Von mehreren Dutzend Menschen, die ein Reporter der Nachrichtenagentur AP am Dienstag befragte, erklärte jedoch nur einer, er habe leichte Erdstöße gefühlt. Ein Wissenschafter sagte, die Experten hätten die Stärke des Seebebens zunächst unterschätzt.

Das Beben hatte zu einer zwei Meter hohen Flutwelle geführt, die Urlaubsorte und Fischerdörfer an einem rund 180 Kilometer langen Küstenabschnitt von Java zerstörte. Weite Teile der Region waren am Dienstag noch ohne Strom, und viele Straßen waren blockiert. (APA/AP)

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