Trauma-Symptome bei früheren Flutwellen-Betroffenen möglich

23. Juli 2006, 18:50
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Psychologin: Bilder und Nachrichten können alte Wunden aufreißen

Die Flutwelle im Indischen Ozean kann bei Betroffenen des Tsunamis 2004 Trauma-Symptome auslösen. Bilder und Nachrichten können die Vergangenheit wieder lebendig machen und alte Wunden aufreißen, sagte Traumapsychologin Helga Kernstock-Redl am Dienstag zur APA. Bei Überlebenden aber auch Angehörigen von Opfern können dadurch Ängste und Empfindungen von damals wieder auftreten, die auf jeden Fall ernst genommen werden müssen.

Die Verarbeitung des erlebten Tsunamis ist individuell sehr verschieden und hängt stark davon ab wie lebensbedrohlich die damalige Situation empfunden wurde, sagte Kernstock-Redl. Von Bedeutung ist auch, wie ausgeliefert man sich damals gefühlt hat. Wie lange es dauert, das erlebte Trauma zu verarbeiten, kann zeitlich nicht allgemein festgelegt werden. Auch Monate und Jahre nach einem Ereignis können Symptome erneut auftreten.

Schwierig für Vorbelastete

Detailreiche und schrecklicher Bilder sind besonders schwierig für Vorbelastete, berichtete die Psychologin. Je mehr die neue Situation der alten gleicht, desto intensiver wird man erinnert. Im Gegensatz zu einem Film weiß man außerdem, dass das Gesehene wirklich passiert ist. Man sollte auf jeden Fall darauf achten ob Trauma-Symptome auftreten und wenn nötig sich mit dem Erlebten noch einmal auseinander setzen.

Beim Umgang mit den derzeitigen Ereignissen sollten Vorbelastete mit sich selbst behutsam umgehen und auf persönliche Bedürfnisse achten. Eine Überflutung mit Bildern und Nachrichten ist nicht ratsam. Informationen sollte man sich nur bewusst und dosiert ansehen. Eine ständige Konfrontation ist falsch, da sie für einen ständigen Stresspegel sorgt und zu Burn-out-Symptomen führen kann.

Schlafstörungen, Flashbacks

Schlafstörungen, Flashbacks sowie immer wiederkehrende Bilder der damaligen Ereignisse weisen auf ein Trauma hin, meinte die Expertin. Auch Stresssymptome sowie eine Überflutung mit Gefühlen aus der Vergangenheit sind ein Anzeichen. Bei immer wiederkehrenden Symptome sollte man professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.

Ein weiteres Alarmzeichen für ein Trauma sind Vermeidungs-Versuche. Betroffene versuchen dabei zum Beispiel Informationen, Bilder sowie ähnliche Ereignisse auszuklammern. Durch dieses Verhalten können Ängste und Phobien entstehen, die bis hin zur Vermeidung von Wasser reichen, erklärte die Psychologin. (APA)

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