Serbiens Präsident warnt vor Unabhängigkeit des Kosovo

22. Juli 2006, 17:21
11 Postings

Tadic: "Problem" für Stabilität der Region - Belgrad stellt "Bedingungen" für Teilnahme an Kosovo-Gipfel

Brüssel - Vor einer Unabhängigkeit des Kosovo hat der serbische Präsidenten Boris Tadic am Dienstag in Brüssel gewarnt. Nach einem Treffen mit EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso sagte er: "Ich mache mir echt Sorgen über die Stabilität in der Region, wenn der Kosovo ein unabhängiges Land wird". Serbien sei bereit, an den Spitzengesprächen mit der Führung der Kosovo-Albaner am 24. Juli in Wien teilzunehmen, knüpfe dies aber an Bedingungen, sagte Tadic.

Zur Teilnahme bereit

"Wir sind zur Teilnahme bereit, aber wir brauchen einige Bedingungen für diese Art von Verhandlungen, normale Bedingungen", betonte der serbische Präsident. Um welche Forderungen es dabei geht, sagte er nicht. Er erwarte eine detaillierte Einladung des UNO-Beauftragten Martti Ahtissari, dann werde Belgrad entscheiden, sagte Tadic. An den Gesprächen sollen die Präsidenten Serbiens und des Kosovo, Tadic und Fatmir Sejdiu, sowie die Regierungschefs Vojislav Kostunica und Agim Ceku teilnehmen. Serbien hat Ceku wegen Kriegsverbrechen angeklagt.

Folgen für andere Weltregionen

Ein unabhängiger Kosovo wäre ein "Präzedenzfall", warnte Tadic. Dies würde nicht nur für die Balkan-Region sondern auch für andere Weltregionen ein Problem schaffen. "Meiner Ansicht nach wäre das keine brauchbare Lösung", betonte der serbische Präsident.

Tadic versicherte, Serbien tue alles, um alle vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal angeklagten Personen auszuliefern, vor allem den früheren bosnisch-serbischen Armeeführer General Ratko Mladic. "Ohne dieses Problem zu lösen, können wir keine besseren Beziehungen mit der Europäischen Union schaffen". "In den nächsten Jahren" will Serbien nach Worten des Präsidenten selbst Mitglied der Europäischen Union werden.

Beziehungen zur EU

Nicht nur für die Beziehungen zur EU, sondern für das Land selbst sei es "entscheidend", dass der von Serbien vorgelegte Aktionsplan zur Ergreifung von Mladic und anderen mutmaßlichen Kriegsverbrechern zu Ergebnissen führe, verlangte Barroso. Sollten die von der EU gestellte Bedingung einer vollen Zusammenarbeit mit dem UNO-Tribunal und andere Erfordernisse erfüllt sein, könnte Belgrad die Gespräche über ein Annäherungsabkommen mit der EU noch vor Jahresende abschließen. "Volle Zusammenarbeit mit ICTY (dem UNO-Kriegsverbrechertribunal, Anm.) ist notwendig", sagte Barroso. (APA)

Share if you care.