Mit "hunt" begann's

18. Juli 2006, 14:22
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Verein Theater im Hausruck präsentiert sein Konzept für "radikales Volkstheater"

Wien - Mit der Wiederaufnahme des Franzobel-Erfolgsstückes "hunt oder Der totale Februar" begründet der Verein Theater im Hausruck nun ein "Zentrum für radikales Volkstheater". Bereits im Vorjahr war der Kohlebrecher in der oberösterreichischen Gemeinde Wolfsegg Schauplatz für das mit dem Nestroy-Preis ausgezeichnete Theaterstück rund um die Kämpfe zwischen Schutzbund und Heimwehr im Februar 1934. Nun wurde das Konzept für die kommenden Jahre präsentiert.

Nach der diesjährigen Wiederaufnahme von "hunt" soll schon im kommenden Jahr Teil Zwei der Trilogie des oberösterreichischen Autors Franzobel auf die Bühne gebracht werden. "zipf" setzt sich mit der Situation der Menschen im Zweiten Weltkrieg auseinander, Thema ist die Zwangsarbeit im Nebenlager Zipf des Konzentrationslagers Mauthausen. Für 2008 ist das Stück "lenz" geplant, das sich mit dem goldenen Häuslbauerzeitalter der 60er-Jahre beschäftigt.

Politische und gesellschaftliche Bezüge

Ziel des "Zentrums für radikales Volkstheater" ist es, zeitgenössisches Theater rund um Themen aus Politik, (Zeit-)Geschichte und Gegenwart offen und unkonventionell anzusprechen. "Unter radikalem Volkstheater verstehe ich ein direktes, sich an alle Schichten wendendes Theater, das um die Errungenschaften der Moderne weiß und diese auch einsetzen kann", so Franzobel. Regisseur Georg Schmiedleitner, der das Projekt auch in Zukunft begleiten will, kündigte eine mögliche Wiederaufnahme von "hunt" im Zweijahresrhythmus an, er sehe dieses Stück als eine Art "Widerstands-Passionsspiel".

Vor allem die Einbindung der regionalen Bevölkerung ist ein Hauptanliegen der Verantwortlichen. Das Bewusstsein für die eigene Geschichte soll mit Hilfe des Theaters weiter geschärft werden. Aber auch der wirtschaftliche Aspekt wurde von Roland König, Vorsitzender des Vereins "Theater im Hausruck", betont: "Früher gab es 3.300 Beschäftigte im Bergbau, 1966 wurde der Kohleabbau eingestellt. Mit der Produktion 'hunt' sind im vergangenen Jahr 100.000 Euro in die Region geflossen." Es gelte auch, die Arbeitsplatzsituation langfristig neu zu beleben.

Keine Förderung

Da es auch nach wiederholter Anfrage bei Kunststaatssekretär Franz Morak keine Förderung für das Projekt gebe, sei man darauf angewiesen, 80 Prozent des Budgets (230.000 Euro) aus dem Kartenverkauf zu lukrieren. Daher steigt der Kartenpreis von 16 Euro heuer auf 25 Euro. Diese Maßnahme sei zwingend, so König, der im vergangenen Jahr noch mit einer Förderung der EU arbeiten konnte.

Möglich gemacht wurde das Projekt im Übrigen von Peter Weinhäupl, kaufmännischer Direktor des Leopold Museums Wien, der den Kohlebrecher vor einigen Jahren gemeinsam mit seinem Bruder ersteigert hatte. Auch er will mit Hilfe von Kultur gegen die Verdrängung von Zeitgeschichte im Alltag ankämpfen. Schmiedleitner, der im kommenden Herbst Franzobels Stück "Hirschen" im Schauspielhaus Graz uraufführt, bringt die Arbeit des neuen Zentrums auf den Punkt: "Wir verstehen uns sozusagen als Theaterarchäologen." (APA)

"hunt oder Der totale Februar". Premiere der Wiederaufnahme am 27. Juli, weitere Vorstellungen am 28., 29., 30. Juli sowie am 3., 4., 5. und 6. August, jeweils um 20 Uhr.

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Theater im Hausruck
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