Milchbauern starten "faire" Eigenmarke

7. August 2006, 10:59
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"A faire Milch" will die IG-Milch ab sofort den Konsumenten garantieren. Die Kuh "Faironika" hilft ihr dabei

Wien - Unter dem Namen "A faire Milch" bringen österreichische Landwirte eine eigene Milchmarke auf den Markt. Die Marke gehört den mittlerweile 6.000 Mitgliedern der als "Verein österreichischer Grünland- und Rinderbauern" eingetragenen "IG-Milch". Seit Montag sind die Milchpackerln bei den Handelsketten Spar und Zielpunkt zu kaufen.

Vom Endverkaufspreis der in rot-weiß-rotem Outfit gehaltenen Milchpackungen gehen zehn Cent an ein Treuhandkonto für die Milchbauern, informierte die IG-Milch am Dienstag. Von dort wird an jene Milcherzeuger, die mit der IG-Milch einen "Fairnessvertrag" schließen, ein Zuschlag gezahlt. Voraussetzung dafür ist eine mindestens bereits ein Jahr lang währende ordentliche Mitgliedschaft bei der IG-Milch.

Garantiert österreichische Milch

Inhalt des Vertrages ist unter anderem der Verzicht auf Gentechnikfutter, Eindämmung der Überproduktion und Teilnahme an Marketingmaßnahmen. Klein- und Durchschnittsbetriebe sind bei der Verteilung besonders berücksichtigt, so die IG-Milch in einer Aussendung. Der Konsument soll damit direkt in die Erhaltung von Kleinstruktur, Kulturlandschaft und Sozial- und Umweltstandards eingreifen können. "Die Fairness endet aber nicht bei unserem Hoftor, es betrifft alle in der Wertschöpfungskette, vom Milchwagenfahrer bis zur Kassiererin und der Regalbetreuerin", berichtet IG-Milch-Obmann Ewald Grünzweil, der auch "der Ausbeutung von Berufskollegen anderer Länder durch Konzerne" den Kampf ansagen will.

Gestartet wird das Projekt "A faire Milch" mit der 1-Liter Packung ESL-Milch ("länger frisch"), mit der den Käufern "eine in Österreich gemolkene und abgefüllte Milch" garantiert wird. Neben Zielpunkt und Spar (Interspar, Eurospar) zeigen laut IG-Milch auch weitere Firmen aus der Lebensmittel- und Gastronomiebranche bereits Interesse.

Lob von den Grünen

Lob für die Aktion kam vom Grünen-Agrarsprecher Wolfgang Pirklhuber: "Die Initiative ist sehr zu begrüßen und ein logischer Schritt im Rahmen eines Konzeptes zur Erhaltung der milchproduzierenden Betriebe in Grünlandgebieten."

Besonders begrüßenswert sei, dass bei der "fairen Milch" auf Gentechnik-Futtermittel verzichtet wird und dass es darüber hinaus eine soziale Komponente durch die Auszahlung des Mehrpreises an die Milchbetriebe geben soll, so Pirklhuber weiter. "Ein klares und stringentes Konzept, das die bäuerlichen Betriebe in Zeiten von laufenden Betriebsaufgaben zum Weitermachen ermutigen soll."

Kampf um faire Preise und gegen Billig-Importe

Das Projekt "A faire Milch" ist ein weiterer Mosaikstein im Bestreben der IG-Milch nach einem "fairen" Bauernmilchpreis von 40 Cent je Liter (derzeit liegt er bei rund 28 Cent). Die Gruppierung wurde 2004 gegründet und kämpft seither, unter anderem auch durch angedrohte Lieferboykotts, für "faire" Milchpreise und gegen "Billig-Importe" von Milchprodukten. Im heurigen Jänner wurden etwa bundesweit Proteste gegen einen Diskonter organisiert, um gegen den Aktionsverkauf von holländischer Billig-Butter vorzugehen. Mit Erfolg: Die Aktions-Butter wurde schließlich wieder aus den Regalen genommen.

Kritiker der IG-Milch, zu denen sich auch Agrarminister Josef Pröll (V) zählt, wiesen erst kürzlich darauf hin, dass die heimischen Milchbauern zusätzlich zum Marktpreis eine Milchprämie von 3,56 Cent je kg und im Schnitt 9,7 Cent je kg aus dem Fördertopf für die ländliche Entwicklung bekommen, womit das Einkommen aus der Milchproduktion unter dem Strich ohnehin über den geforderten 40 Cent je Liter liege.

177 Millionen Euro für Milchprodukte

Im Lebensmitteleinzelhandel bleibt Frischmilch der Frequenzbringer Nummer 1 unter den Milchprodukten (ohne Käse). Rund 177 Mio. Euro geben Österreichs Konsumenten dafür jährlich aus. Abgeschlagen rangiert Fruchtjoghurt auf Platz zwei mit 104 Mio. Euro. Die monatlichen Ausgaben eines österreichischen Haushaltes für Molkereiprodukte lagen 2005 bei 34,20 Euro. Am meisten davon wurde für Käse (36 Prozent) ausgegeben, gefolgt von Trinkmilch (21 Prozent) und Butter bzw. Margarine (12 Prozent). (red/APA)

  • Die lebensgroße Kuh der IG-Milch hört auf den Namen "Faironika".
    foto: ig-milch

    Die lebensgroße Kuh der IG-Milch hört auf den Namen "Faironika".

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    foto: ig-milch
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