Ein Wetterleiden: Störungen bei Wiener U-Bahn deutlich angestiegen

23. Juli 2006, 19:34
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Alte "Silberpfeile-Generation": Ausfälle nahmen heuer um zehn Prozent zu - Warten auf neue Garnituren

Die subjektive Wahrnehmung hatte es schon längst geflüstert: Die U-Bahn ist ständig hin. Genau das hatte auch die Grünen-Gemeinderätin Ingrid Puller artikuliert: Die Störungen bei der Wiener U-Bahn haben drastisch zugenommen. Am Dienstag wurde dies nun auch von den Wiener Linien bestätigt: In jüngster Zeit gab es drastische Steigerungen bei technischen Problemen mit der alten "Silberpfeil-Generation". Im zweiten Quartal 2006 haben die Störfälle um zehn Prozent zugenommen.

Wobei die Wiener Linien auch gleich eine Erklärung für diesen Anstieg parat haben: Erst das kalte und feuchte und dann das hochsommerliche Hitzewetter hätten der U-Bahn zugesetzt.

Häufigste Ursache für die Betriebsstörungen seien elektrische Bauteile, die während der Fahrt defekt werden, erläuterte Karlheinz Klausner von der U-Bahn-Abteilung der Wiener Linien. Diese würden sehr empfindlich auf äußere Einflüsse wie Regen oder große Hitze reagieren - Faktoren, die heuer im Frühling und Frühsommer eine wichtige Rolle gespielt hätten.

Wartung intensiviert

Eine weitere, damit zusammenhängende Ursache kritisiert die Grüne Puller schon seit Längerem: "Früher musste alle 5000 Betriebskilometer eine Revision vorgenommen werden - diese Einheit wurde aber auf 7500 Betriebskilometer hinaufgesetzt." Am Dienstag versicherte Klausner, dass die Wartung der Gefährte angesichts der aktuellen Entwicklung intensiviert werde.

Dazu kommt aber noch: Die Silberpfeile pfeifen zum Teil aus dem letzten Loch. Die ältesten Züge sind immerhin bereits seit 1978 im Einsatz.

Eine mögliche Abhilfe gäbe es bereits - aber nur in der Remise: Die ersten zehn Garnituren der neuen U-Bahn-Generation sind längst schon ausgeliefert - dürfen aber immer noch nicht den Liniendienst antreten, weil die letzten behördlichen Genehmigungen für die "V-Wagen"immer noch fehlen (der Standard berichtete).

Warten auf neue Garnituren

Puller vermutete als mögliche Ursache für die Verzögerung einen Wechsel beim Bremsenhersteller - was von den Wiener Linien heftig dementiert wird. Es gehe längst nicht mehr um technische Details, sondern nur noch um die arbeitsrechtliche Genehmigung.

Dabei ist dies längst nicht die erste Verzögerung bei der Anschaffung der neuen "V-Wagen"- sondern Teil einer Serie: Ursprünglich - im Jahre 1998 - war versprochen worden, dass die neuen U-Bahn-Züge 2003 im Einsatz sein sollten. Im Jahr 2000 hatte es dann geheißen, die Auslieferung werde 2004 starten. Dann hieß es, es werde im Herbst 2005 so weit sein.

Dazu erklären die Wiener Linien, dass vor allem nach der Brandkatastrophe von Kaprun noch einige Änderungen im Sicherheitskonzept notwendig wurden. Klausner will jetzt jedenfalls keine Prognosen mehr abgeben, wann die Genehmigung endlich kommt: "Wir warten."(APA, frei/DER STANDARD; Printausgabe, 19.7.2006)

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    foto: derstandard.at/moser
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