Deutsche TV-Kabelnetzbetreiber investieren Milliarden ins Breitbandgeschäft

27. Juli 2006, 10:56
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Vatm sieht Marktführerschaft der deutschen Telekom derzeit nicht gefährdet

Die deutschen TV-Kabelnetzbetreiber wollen mit Investitionen in Milliardenhöhe der Deutschen Telekom in punkto Breitband-Internet das Wasser reichen. Derzeit fallen 97 Prozent Marktanteil der schnellen Internetzugänge auf die von der Telekom favorisierte DSL-Technik. Hintergrund für das Ungleichgewicht in Deutschland ist die Zersplitterung der TV-Kabellandschaft, wobei in anderen EU-Ländern die Kabelnetzbetreiber auf einen Marktanteil von 50 Prozent kommen.

Wolfgang Heer, Pressesprecher des Verbandes für Telekommunikation, glaubt zwar an die Chance der Kabelnetzbetreiber im Breitbandgeschäft, sieht aber derzeit die Marktführerschaft der Deutschen Telekom nicht gefährdet. "Die Telekom dominiert das Breitbandgeschäft. Die sogenannte letzte Meile, der Anschluss der Kabelverzweiger zu den Haushalten, gehört der Telekom. Wer dieses letzte Stück zu den Haushalten nachbauen möchte, müsste mindestens 5 - 6 Mrd. Euro investieren. Auch wenn die Telekom laufend an Kunden verliert, ist ihre Marktführerschaft in den nächsten zehn Jahren nicht gefährdet", so Wolfgang Heer im Gespräch mit pressetext. Zudem versuche die Telekom durch attraktive Angebote, wie dem Triple Play-Angebot (Internet, Telefon, TV über einen Anschluss) ihre Marktführerschaft auszubauen.

Kabel Deutschland sieht die TV-Kabelnetzbetreiber im Breitbandgeschäft gegen die Telekom gut gerüstet. "Wir nehmen die deutsche Telekom als Player sehr ernst. In vielen Bereichen, wie z.B. dem Triple Play-Angebot oder dem IP-TV, ist unser Know-how sehr groß. Anfang 2009 wollen wir rund 90 Prozent unserer Kabelnetze aufgerüstet haben", so ein Sprecher von Kabel Deutschland im pressetext-Interview. Die letzte Meile der deutschen Telekom betreffe Kabel Deutschland mit einem eigenen Kabelnetz demnach nicht.

Die Anbieter haben einen Teil ihres Netzes, das bislang ohne Rückkanal keine Telekom- und Internetdienste möglich macht, aufgerüstet. "Wir haben wenige Monate nach dem Start bereits 70.000 Internet- und Telefonkunden", sagt der Sprecher von Kabel-Baden-Württemberg, Axel Dürr. Marktführer Kabel Deutschland will zwischen 1,2 und 1,5 Mrd. Euro dafür ausgeben. "Bis zum Ende der Dekade dürfte der Marktanteil der Kabelfirmen von 1,5 Prozent auf acht bis zehn Prozent steigen", so Philipp Geiger von der Unternehmensberatung Solon in München. (pte)

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